Aufsatz 
Gefahren großstädtischer Erziehung
Entstehung
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ernſten und würdigen Umgebungen, die auf Goethe Ein⸗ druck machten,die vielen kleinen Städte in der Stadt, die Feſtungen in der Feſtung, die ummauerten Kloſter⸗ bezirke, die burgartigen Räume aus früheren Jahrhunderten, welche die Aufmerkſamkeit des Kindes am meiſten auf ſich zogen, ſie ſind ihres alterthümlichen Zaubers entkleidet oder ganz verſchwunden. In der Gleichförmigkeit fehlen feſte Anhaltspunkte für das Intereſſe. Alles wird obenhin begafft, das wirklich Intereſſante überſehen und zuleßt mit ſehenden Augen nichts mehr geſehen.

Dennoch bin ich nicht ganz der Meinung Deree, die dem Kinde lieber eine Binde um die Augen legen möchten, oder wenigſtens in ihrer Sorglichkeit ihm ein für alle Mal gebieten, die Straßen nach ſtreng berechnetem Minutenmaße zu durcheilen. Es liegt darin etwas Unnatürliches und Verdacht Erregendes. Gaſſen, Häuſer und Läden ſind einmal da. Es handelt ſich nicht darum, das Sehen zu verbieten, ſondern dem Kinde ſehen zu helfen. Und hier fällt nicht nur Denen, die das Kind wirklich durch die Stadt leiten können, unmerklich eine Pflicht zu, ſondern auch die Schule, namentlich Anſchauungsunterricht, Hei⸗ mathskunde und Geſchichte, mögen hier eine verdienſtliche Aufgabe finden. Es gilt, das Kind zu orientiren. Wir müſſen es von der unklar verſchwimmenden Maſſe ab auf einzelne und würdige Partieen zu lenken und hier das Intereſſe zu eingehender Betrachtung zu ſammeln ſuchen. Wenn jetzt die Steine nicht mehr reden, ſo müſſen wir mit unſerer Rede dem Kinde zu Hülfe kommen und mit Sagen und Geſchichten das verwiſchte oder modern verhüllte Alterthum wieder zum Leben hervorrufen, aber auch die Schöpfungen moderner Civiliſation und Induſtrie würdigen laſſen, wie der kleine Wolfgang ſeiner Zeit