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der Erziehung“ und eine freie Natur; ſie warnen vor den großen Städten, weil hier verwirrtes Getöſe, eine Ueber⸗ fülle von Erregungen und vieler Menſchen Rede in die Erziehung ſich einmiſche. Sie mißtrauen den großen Märkten der Kultur, weil auf ihnen auch Unwahrheit und Unſittlichkeit mit in den Kauf gehe.— Als Fichte die deutſche Nation aufrief, ſich ſelbſt in dem heranwachſenden Geſchlechte zu retten, wollte er die ganze deutſche Jugend von der„verpeſteten Atmoſphäre“ der gegenwärtigen Kultur hinweg in die Einſamkeit flüchten; und ſelbſt Goethe, der Großſtädter, wußte für ſeine Erziehungskolonieen, wie er ſie in den Wanderjahren darſtellt, keine beſſere Stätte, als die ländliche Natur zu finden.
Aber die ganze Gewalt Fichte'ſcher Sturmreden und alle Lockung Goethe'ſcher Poeſie werden es nicht vermögen, den Müttern ihre Kinder und— den Großſtädten ihre Kinderwelt zu entführen, um ſie in ſtiller Einſamkeit zu bergen; und ebenſo wenig werden vor dem Weherufe moderner Jonaſe jene Steinkoloſſe ſelbſt in ländliche Auen zerfließen. Wir haben ſie nun einmal und müſſen uns mit ihnen abzufinden ſuchen. Wir müſſen der Kultur, deren reichſte Fülle wir hier finden, ihre Wohlthaten und zugleich neue Kräfte zum Widerſtande gegen ihre Gefahren abzugewinnen, und da, wo unter dem Andrange der Civiliſa⸗ tion die Natur verſchwinden will, für dieſe mit der Kunſt der Erziehung einzutreten ſuchen.
In dieſem Sinne und mit dieſem Muthe zur Abwehr ſpreche ich von den Gefahren großſtädtiſcher Erziehung.
Zunächſt von der kleinſten und doch nicht ganz kleinen Gefahr,— von der ſtummen Sprache der Häuſer!— Es iſt ſchön von der Civiliſation, daß ſie ein wetterfeſtes


