Aufsatz 
Gefahren großstädtischer Erziehung
Entstehung
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Aber die Gegenſätze laſſen ſich auch ausgleichen. Wenn Jean Paul ſagt:nur ein Goethe hatte Kraft, ſogar in der Sonne des Glücks ſeine Phönirflügel nicht kürzer zu ſengen, ſo möchten wir hinzuſetzen, daß wohl nicht allein ſeine eigene Kraft, ſondern auch die Strenge des Vaters, die ihm die Flügel kürzer band, und mancher andere gute Stern ihn ſchützte, und daß auch minder kräftige Naturen vor ſolcher Gefahr geſchützt werden können. Und wenn wir auf der andern Seite ſehen, wie z. B. der Knabe Friedrich Perthes aus ſeinen Bergſchluchten hervor, arm an Kenntniſſen und Lebensgewandtheit, in die große Welt ging und an dem Einen, was er beſaß, an der Unverdorbenheit und Kräftigkeit ſeines Sinnes, genug hatte, um auch mit dieſer Welt fertig zu werden, ſo finden wir in dieſem auch die Gefahren ländlicher Beſchränkung beſiegt. Aber freilich gerade in dieſen Beiden trat die Ausgleichung ſelbſt wieder in Gegenſätzen hervor. Denn während jenesWeltkind das Gleichgewicht fand, indem es vom Geräuſche des Weltmarkts in die ſtille Heimath der Poeſie flüchtete, um hier die von ihm erlebte Welt dichtend neu zu geſtalten, und, von den Täuſchungen der Civiliſation ſich abkehrend, ſeine liebende Betrachtung der immer wahren Natur zuwendete, ſo ging jenesBerg⸗ kind aus ſeiner Einſamkeit heraus, um mit ſeiner natur⸗ wüchſigen Kraft ſein Geſchäft auf dem Weltmarkte zu treiben und als Buchhändler und Patriot auf Weltbildung und Weltlauf thatkräftig geſtaltend einzuwirken.

Welche Heimathsſtätte aber die Kindheit am ſicherſten bewahre, wo die Erziehung die größere Freiheit und die willkommenſte Unterſtützung ihrer Wirkſamkeit finde, darüber kann vielleicht noch geſtritten werden. Die Männer vom Fach indeß ſtreiten nicht mehr. Sie fordernStille