Aufsatz 
Über den volkswirtschaftlichen Unterricht
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

Mechanics' Institutions oder Gewerks-Institute hervorhebt, so übersieht er, dass es deren in den ersten 60er Jahren nur etwa 1000 gab, dass dies ferner nur Arbeiterschulen für Er- wachsene sind, dass der regelmässige Unterricht sich in den meisten Fällen auf die Elementar- fächer beschränkt, dass die Nationalökonomie aber zu jenen Lehrgegenständen gehört, die nur in Einzelvorträgen sehr zweifelhaften Nutzens, wenn auch oft von hervorragenden Ge- lehrten, dargeboten werden¹). Citirt doch Böhmert an der gleichen Stelle mehrfache Kund- gebungen bedeutender Männer Englands und des Unterrichtsministers selbst, die ihm beweisen mussten, dass man dort erst im Anfange der 70er Jahre mit dem Gedanken umging, den Unterricht in der Volks- und Staatswirtschaft wenigstens in einigen der grösseren Volks- schulen einzuführen ²), um dieselbe Zeit, wo auch die Schweizerische Gemeinnützige Gesell- schaft diese Frage eingehend erörterte ³). Als Mrs. Fawcett daher im Jahre 1870 die erste Ausgabe ihrer Political Economy for beginners veröffentlichte, sollte das Büchlein ihrem Wunsche nach denen nützlich werden, who are desirous of introducing the study of Political Economy into schools. Allem Anschein nach ist dies Bestreben jedoch ohne erheblichen Erfolg geblieben, da das Fach noch im Jahre 1881 sich weder im Lehrplan der National-Schools, noch in dem der Public- und Grammar Schools findet).

In Fortbildungsschulen figuriert der Volkswirtschaftsunterricht ja auch anderwärts, namentlich in den Fachschulen verschiedener Art; insbesondere gehört er wohl überall zu den obligatorischen Disciplinen der Handelsschulen, sei es dass diese selbständig dastehen oder von den obern Klassen höherer Lehranstalten sich gabelförmig abzweigen. Beispiele der erstern Art lassen sich in grösserer Zahl aus Deutschland, Osterreich, Italien, Frank- reich, Portugal, Belgien u. s. w. anführen⁰); eine Gabelung weisen u. a. die zehn Königlichen Athenäen Belgiens auf. Sie zerfallen zunächst in je eine Section des humanités(Gymnasial- abteilung) und eine Section professionnelle(Realabteilung), und diese letztere wiederum teilt, sich in den obersten zwei Klassen in die Scientifique und die Commerciale, die in den Sprachen u. S. W. kombiniert, in anderen Fächern getrennt sind; die Nationalökonomie bildet einen gesonderten Lehrgegenstand der Commerciale).

Die Austalt, deren diesmaligem Jahresberichte die nachfolgende Abhandlung angehört, ist durch eine günstige Wendung der Dinge aus der einen Gestaltung der Fachschule in die andere, der eben geschilderten ähnliche, übergegangen. Der im Jahre 1862 errichteten Handelsschule sollte in der 1871 gegründeten Wöhlerschule zunächst ein Unterbau gegeben werden; als diese sich jedoch bis zum Jahre 1880 zu einer vollklassigen Realschule I. O. entwickelt hatte, erfolgte auch hier jene Gliederung der zwei obersten Klassen in eine Real- und eine Handelsabteilung mit teils gemeinsamen, teils gesonderten Unterrichtsfächern und dreijährigem Kursus, dem einjährigen der Obersecunda und dem zweijährigen der Prima.

¹) Daselbst S. 188. 262. 269.

²) Programm a. a. O. S. 8.

³) Zeitschrift für Gemeinnützigkeit a. a. O. S. 14.

¹) Vgl. Bernard, Mitteilungen aus dem englischen Schulleben: Programm des Königlichen Gymnasiums zu Kreuznach 1881.

²) Vgl. Bases d'un plan d'études commerciales, présentées an Congréès International de Géographie Commerciale par la Société de Géographie de Lisbonne(Traduction), Lisbonne 1879.

³) Vgl. Stange, Über die Organisation des Unterrichtswesens, namentlich der Volks- und höheren Schulen, in Belgien: Programm der hõheren Bürgerschule zu Münden 1879.