Um die nötige Gewandtheit im deutſchen Stil zu erlangen, genügt der in den mittleren und oberen Klaſſen ſich auf zwei, drei oder vier Wochen erſtreckende Aufſatz nicht, es ſind noch beſondere ſtiliſtiſche Übungen erforderlich. Dieſe beſtehen in ex tempore niedergeſchriebenen Inhaltsangaben kleinerer Gedichte oder in der Reproduction komplicierterer Gedanken, die eben im Unterricht verarbeitet wurden, überhaupt in kleineren Darſtellungen, die unmittelbar noch im Geſichtskreis des Schülers liegen. Die Arbeit ſoll die Zeit von zwanzig Minuten nicht überſchreiten; während die Schüler ſchreiben, macht der Lehrer dieſelbe Arbeit und lieſt, nachdem einige Schüler ihre Ausarbeitung vorgetragen haben und deren Verbeſſerung erfolgt iſt, das Muſter vor. War die Arbeit mißlungen, ſo iſt eine häusliche Umarbeitung erforderlich. Dieſe Übungen ſind mit Rückſicht auf den nächſten Aufſatz anzu⸗ ſtellen und, jenachdem es in dieſem auf Erzählung, Beſchreibung, Schilderung u. ſ. w. abgeſehen iſt, auszuwählen, ſelbſtverſtändlich ohne Beziehung auf das künftige Thema. Für dieſe kürzeren, nach Bedarf vorzunehmenden Arbeiten empfiehlt ſich ein beſonderes Heft, das der Lehrer öfters nachſieht.
Zu der oben bezeichneten Aufgabe des deutſchen Sprach⸗ unterrichts, das Verſtändnis der Meiſterwerke unſerer Litteratur anzubahnen, gehört auf den oberen Stufen noch eine Belehrung über Weſen und Form der Poeſie, ſowie ihre Arten, doch darf dieſe nicht losgelöſt von der Lektüre betrieben werden, vielmehr ſind die charakteriſtiſchen Eigentümlichkeiten jeder Gattung an den geleſenen Stücken(Epen, Balladen, lyriſchen Gedichten, Dramen) nachzuweiſen. Übrigens ſind die Schüler nicht allein mit den Schätzen unſerer neuen Litteratur bekannt zu machen, ſondern es muß ihnen auch ein Einblick in die„unvergleichlichen Zeugniſſe und Schätze deutſchen Volkstumes verſchafft werden, die in unſerer älteren Litteratur bewahrt liegen.“
Vorſchule.
Lehrziel.
Die Vorſchule hat als Ziel des deutſchen Unterrichts: 1. eine ſſichere Grundlage in der Orthographie, 2. lautreines und geläufiges Leſen, 3. einige Gewandtheit im mündlichen Ausdruck, 4. die notwendigſten Kenntniſſe aus der Grammatik
Wermenlehre und Syntax) in geordneter, jedoch nicht ſyſtematiſcher eiſe.


