Lehrplan
den deutſchen Anterricht.
Einleitung.
Von den leitenden Grundſätzen des deutſchen Unterrichts im allgemeinen.
Obgleich der Zweck dieſes Unterrichts, die Mutterſprache gebrauchen und die Meiſterwerke unſerer Litteratur verſtehen zu lernen, nicht durch die ſyſtematiſch⸗grammatiſche Behandlung erreicht, vielmehr durch einſeitige Verfolgung dieſes Weges die Sprachentwickelung unterbrochen und gehemmt werden kann, ſo iſt dennoch der grammatiſche Unterricht in ſyſtematiſcher Form nicht auszuſchließen und die logiſch⸗grammatiſche Sprachbildung nicht allein der fremden Sprache zu überweiſen. Iſt doch das Sprach⸗ bewußtſein nur auf dem Wege grammatiſcher Analyſe zu erlangen. Da indeſſen die Mutterſprache durch Handhabung, durch Leſen, Reden, Schreiben erlernt wird, ſo bleibt die Grundlage des deutſchen Unterrichts das Leſebuch; in der oberſten Klaſſe wird dasſelbe durch ausgewählte Lektüre aus den Klaſſikern ergänzt und erweitert.
Bei jedem Leſen in der Schule iſt die größte Sicherheit und Sorgfalt, Reinheit und Deutlichkeit der Ausſprache zu fordern. Am Ausdrucke und Vortrage erkennt man, ob mit Beſonnenheit, Sammlung und Verſtändnis geleſen wird. Nach ſolchem ver⸗ ſtändigen Leſen werden bei kleineren Stücken einige Fragen über den Hauptinhalt oder über die Situation der handelnden Perſonen, bei größeren die Hervorhebung der Hauptmomente und ihres Zuſammenhanges ohne alle weitere Zergliederung, die nur die Zeit der Leſeübung ſchmälert, ſchon hinreichen, das Geleſene zu überblicken und zu faſſen.
Am Leſen mit Ausdruck, ohne angelerntes Betonen und Verkünſtelung des Vortrags, gewöhnen ſich die Schüler am beſten dadurch, daß der Lehrer zuerſt vorlieſt, und bei vielen Gedichten


