Aufsatz 
Die Pflege der alten Kunst auf dem Gymnasium
Entstehung
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als die orientalische. Denn so grossartig die Trümmer dieser frühen Kulturperiode sind, sie werden zumal für den Schüler ein aesthetisches Gefallen nicht erregen können; ihr Wert liegt auf archäologischem Gebiet; daher genügt es, wenn der Geschichtsunterricht den Einfluss der orientalischen Kunstübung auf die griechische kurz berührt. Auch die antike Malerei kann nur insofern Gegenstand des Gymnasialunterrichts sein, als dieser alle bedeutsamen Ausserungen des antiken Lebens umfassen soll; einen Kunstunterricht an die zum Teil gewiss hochinteressanten Gemälde, die noch vorhanden sind, zu knüpfen, dazu ist deren Kreis der Zeit und der Zahl nach zu beschränkt, ausserdem ihre Uberlieferung meist zu trümmerhaft. Noch weiter entfernt sich von dem Zwecke der Kunstbelehrung in der Schule die eingehende Betrachtung der antiken Kleinkunst. Denn Münzen, Gemmen, Vasen und andere Werke des Kunstgewerbes sind doch zum weitaus grössten Teil nur kulturhistorisch interessant und in dieser Eigenschaft auch im Unterricht gelegentlich ein willkommenes Anschauungsmittel; eine Einführung der Schüler in das Verständnis ihres künstlerischen Wertes würde den Stoff so sehr ausdehnen, dass darüber Wichtigeres hintangesetzt werden müsste. Anders verhält es sich mit der Frage, ob nicht die Baustile kirchlicher und profaner Art, die sich aus den antiken entwickelt haben, in den Kreis der Betrachtung hereingezogen werden sollen; denn hier ist die Anknüpfung an Bekanntes leicht, auch bietet bei den meisten Schülern die nähere und fernere Umgebung der Heimat eine Fülle von Anhaltspunkten; die Erwägung aber, in welcher Ausdehnung und in welchem Unterrichts- fach dies geschehen müsste, würde die dieser Betrachtung gezogenen Grenzen überschreiten.

Von entscheidender Wichtigkeit für den Erfolg der Kunstlehre ist die Beschaffenheit, der Anschauungsmittel und die Art ihrer Verwendung. In früherer Zeit bildete gerade der Mangel an brauchbaren und schönen Abbildungen ein Haupthindernis für eine eingehende Berück- sichtigung der antiken Kunst im Gymnasium; jetzt ist durch die Fortschritte der Verviel- fältigungskunst ein erfreulicher Wandel eingetreten. Das Wünschenswerteste würde ja eine Sammlung von schönen Gipsabgüssen und Modellen sein, die hinlänglich gross, um von allen Schülern auch in Einzelheiten genau erkannt werden zu können, im Klassenzimmer oder besser in einem besonderen Saal aufzustellen wären. Allein der Preis von wirklich guten Abgüssen namentlich von Vollbildern ist doch zu hoch, als dass eine nur einigermassen bedeutende Sammlung zu beschaffen wäre. Köpfe, Büsten, architektonische Modelle wird der Zeichen- lehrer schon eher mit der Zeit in grösserer Anzahl zusammenbringen können. Im Grossen und Ganzen bleibt der Unterricht auf Photographieen, Lichtdrucke und Holzschnitte auch wegen ihrer Handlichkeit angewiesen. Zu architektonischen Werken besitzen wir nun eine ganze Reihe vortrefflicher Nachbildungen, die auch ihrer Grösse nach für den Klassenunterricht genügen, wie die Wandtafeln von Langl und o. d. Launitæ, Säulenordnungen von Bergmann u. a. m.). Für die Plastik aber gebricht es an gleichwertigem Material. So half man sich denn damit, die kleinen Photographieen in der Klasse herumzureichen. Allein das führt zu Unzuträglichkeiten, die den Erfolg der Kunstlehre völlig in Frage stellen. Denn entweder muss der Unterricht so lange unterbrochen werden, bis jedes Bild nach der Erläuterung die Runde gemacht hat, oder die Schüler verlieren, während sie das Bild betrachten, das, wozu der Unterricht weiter fortschreitet; ausserdem ist, was zur Verständlichmachung von Kunstwerken unerlässlich erscheint, Auge und Ohr des Schülers nicht gleichzeitig in Thätigkeit; daher wird die Unterweisung nicht nur pädagogisch wertlos, sondern bildet geradezu eine Gefahr für die Aufmerksamkeit. Nimmt man, um den Unterricht nicht zu unterbrechen, zur Vorzeigung der Bilder die Erholungspausen zu Hilfe, so ist damit wenig genützt, da die Anschauung lange hinter der Erläuterung her- kommt oder wiederholt werden muss zu einer Zeit, die den Schülern zur Ausspannung gegeben ist; dadurch erhält die Belehrung in den Augen der Schüler etwas Beiläufiges und Unverbind- liches, wenn sie überhaupt auf die Dauer geduldet wird. Von vielen Seiten sind die soge- nanntenfliegenden Rahmen gerühmt worden, d. h. Bilderrahmen, aus denen die Bilder heraus- genommen und durch neue ersetzt werden können; allein wenn sie nur Bilder in dem gewöhnlichen Antikenformat aufnehmen können(27/18 cm. oder selbst 37/27 cm. unaufgezogen), so erkenne ich in dieser Einrichtung keinen Fortschritt; sind sie allerdings so gross, dass Photographieen von 70/57 oder 75/57 cm.,(die in den italienischen Preisverzeichnissen mit extra grande be- zeichnet sind), in ihnen Platz finden, sodass in einer normal grossen Klasse(2428 Schüler) die Einzelheiten der Abbildung deutlich gesehen werden können, dann bilden sie, stets gefüllt. nicht nur einen schönen Schmuck der Klassenzimmer, sondern sie haben auch bei richtiger Benutzung grosse püdagogische Vorteile. Die Bilder werden in den Rahmen eingeschoben, noch