einer der geübteren Herren die Unterhaltung allein führte. So verstrich die kurze Zeit den meisten zu rasch. Es würde wohl noch mehr Erfolg darin erzielt worden sein, wenn alle Themata aus dem englischen und Londoner Leben genommen worden wären(wie 1. 3. 5. 7. 9. 10. 14. 15.), oder sich auf unsere Lehrtätigkeit bezogen hätten(wie 6. 11. 12. 16. 17. 18. 19.). Aufgaben wie 2.„Stadtleben ist dera Landleben unendlich überlegen“, 4. „Selbstüberschätzung ist weniger schlimm als Selbstunterschätzung“, 8.„Die Zeit ist noch nicht reif für ein Schiedsgericht unter den Völkern der Erde“, oder gar 13.„Der Einfluß der Japaner ist durchaus vorteilhaft für die Zivilisation des Abendlandes“ haben keinen praktischen Wert, weil sie entlegen sind und sich nur nach reiflicher Uberlegung beant- worten lassen. Jedenfalls führten sie nicht in allen Abteilungen zu einer wirklich allge- meinen und angeregten Unterhaltung.
Zu all diesen mannigfaltigen Gelegenheiten, unser Ohr an den Klang der fremden Laute zu gewöhnen und unsre Zunge im Gebrauch der englischen Sprache zu üben, kam noch eine Reihe von Veranstaltungen, die uns die Sehenswürdigkeiten Londons zeigen und uns mit der näheren und weiteren Umgebung der Stadt bekannt machen sollten. An den freien Nachmittagen konnten wir unter kundiger und aufmerksamer Führung das Britische Museum, die Paulskirche, das Rathaus(Guildhall), das Parlamentsgebäude, die Westminster Abtei, das Süd-Kensington Museum, die National Gallerie, den Tower u. s. w. besuchen. Man fuhr die Themse hinauf nach Kew Garden und Richmond Park, um einen Tag nach englischer Weise am Flusse zu verleben, nach den Burnham Buchen, nach Harrow, Eton und Windsor, nach Cambridge und Oxford. Auch die Schulen, soweit sie noch keine Ferien hatten, standen uns offen. Wir waren eingeladen zu den Jahresspielen der großen Knabenschule im Norden Londons, zu einem„at home“ auf dem Grund und Boden der Wentworth Hall, einer großen Mädchenschule in Mill Hill, zur Besichtigung des Foundling Hospitals, jetzt eines Erziehungsheims für mehr als 500 Waisen, in dessen Kapelle eine von Händel gestiftete Orgel noch heute den herrlichen Chorgesang der Kinder begleitet, u. dgl. Selbst die ehrsame Fischhändler-Zunft hieß uns in ihrer Halle willkom- men. Es gab überall mancherlei zu sehen und zu hören. Die Schulen sind nicht mit den unsrigen zu vergleichen; höchstens die Elementarschulen(Public schools) nähern sich den deutschen Volksschulen, seitdem der Staat die Aufsicht und Leitung erlangt hat. Dies ist aber erst 1902 geschehen, und die Probe muß also noch bestanden werden. Die höheren Schulen, wie wir unsere Anstalten nennen, und die Hochschulen sind heute noch sämtlich Privatunternehmungen, worein der Staat nichts zu sagen hat und, bei der hochgradigen Entwickelung des Unabhängigkeitsgefühls der Engländer, auch nichts zu sagen wagt. Jedermann kann eine Schule gründen, ohne daß er nach Kenntnissen oder Fähigkeiten, Zeugnissen und Berechtigung gefragt wird. Natürlich kann er seine Lehrer ebenso wählen, wie er will; der Leiter der Anstalt herrscht darin unumschränkt, soweit es der Vertrag erlaubt, den er mit jenen abgeschlossen hat. Leistet die Schule etwas, so besteht sie, taugt sie nichts, so geht sie eben wieder ein. An den älteren größeren Schulen, wie Harrow, Eton u. ä., werden die Leiter und Lehrer von dem Aufsichtsrate der Besitzer und Gründer der Anstalt, oder ihrer Erben, gewählt. Ihr Unterricht ist lediglich ihre


