Aufsicht über die Volksschulen errungen, während er nur allmählich Einfluß auf die hö- heren Schulen gewinnt und gar nichts in die inneren und äußeren Angelegenheiten solcher Anstalten wie Harrow und Eton und der Hochschulen, besonders Oxford und Cambridge, zu sagen hat. Auch der Gegensatz zwischen den Zielen und Anforderungen englischer und festländischer(namentlich deutscher) Schulen wurde betont. Etwa in der Mitte zwi- schen beiden läge wohl das Richtige.
Hatte der Rektor der Universität in seinem kurzen Uberblick die Bildung und Ent- wickelung der Londoner Universität nur gestreift, so sprach Dr. Roberts eingehend über The University Extension Movement, über die Bewegung, die zu ihrer Gründung geführt hat, und über ihr Emporblühen. Während an den übrigen Hochschulen Englands früher nur Angehörige der anglikanischen Kirche aufgenommen wurden und lehren durften, ward die neu gegründete Londoner Universität allen ohne Unterschied des Glaubens geöffnet. Anfangs wurden in ihren Räumen nur Prüfungen abgehalten, deren Bestehen freilich ein guter Empfehlungsbrief war, jetzt werden darin auch Kollegien gelesen, Laboratorien ge- leitet usw. Ja, in mehreren Stadtteilen Londons sind neue Kollegienhäuser erbaut worden, um die Universität zu entlasten, und im Lande draußen sind verschiedene Universitäten nach ihrem Muster entstanden. Immer jedoch ist es noch ihr Hauptziel, allgemeine Bild- ung zu verbreiten, Lehrer für die höheren Schulen heranzubilden, die sehr im argen lie- gen, weniger die Wissenschaften ihrer selbstwegen zu pflegen. Fast in allen wichtigeren Städten Englands werden jetzt Kurse abgehalten, die, von Akademikern geleitet, allen Schichten der Bevölkerung Gelegenheit bieten, sich weiter zu bilden und in allem Wissens- werten mitfortzuschreiten. Das Beispiel der Londoner Universität hat es auch bereits be- wirkt, daß in den sog. alten Universitäten Angehörige anderer christlicher Bekenntnisse zugelassen werden.
Obwohl der Gegenstand, worüber Herr Milnes sprach, seinen Zuhörern etwas ferner lag, wußte er seinen Stoff so meisterhaft zu behandeln, daß alle gespannt seinen Worten lauschten.— In seinem ersten Vortrag: The Growth of the Liberty Jdeal(Das Wachstum des Freiheitsideals) ging er aus von der Anschauung, die die alten Griechen, und z. T. die Römer, von der Freiheit hatten, die ausschließlich darauf bedacht waren, sich gegen Uebergriffe der Regierenden zu schützen. Dann zeigte er, wie weit das fromme Mittel- alter von dem Freiheitsideal entfernt war, wie erst in der Neuzeit der Gedanke lebendig wurde, daß Geburt und Tod allen Menschen in gleicher Weise beschieden wären, währ- end sich das Leben selbst so verschieden gestalte. Spencer, Milton und Locke leiteten über zu Rousseau und der französischen Revolution. Nach einem Hinweis auf Adam Smith sprach er von Burke, den er den größten englischen Redner nannte, und kam so auf John Stuart Mill und sein Werk über die Freiheit.— Aeußerst geschickt wußte er in seinem zweiten Vortrage: The Economics of Fairy Lore, sogar aus Märchen und Erzählungen Wirtschaftslehren zu entwickeln. Aesops Fabeln, der Geizhals und sein Schatz, Midas, 1001 Nacht u. a. dienten ihm als Beweismittel dafür, daß Gold und Geld an sich kein Reichtum sind, sondern daß ihr Wert, wie der eines jeden Dings, nur darin besteht, daß man sich dafür oder dadurch alles verschaffen kann, was man braucht.— Zuletzt sprach


