Aufsatz 
Die Sorge des Fürsten Georg Friedrich zu Waldeck und Pyrmont um die Sicherung des territorialen Bestandes der Waldeckischen Besitzungen / vom Rud. Flade
Einzelbild herunterladen

Die Sorge des fürſten Georg Friedrich zu Waldeck und Pyrmont um die Sicherung des territarialen Beſemhe 3 Waldeckiſchen Beſitzungen.

Vom ordentl. Sareda Cehrer Rud. Flade.

.õ

Anter den Männern, welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als Staatsmänner und Feldherren eine Rolle geſpielt haben, iſt Fürſt Beorg Friedrich zu Waldeck und Pyrmont unſtreitig einer der hervorragendſten. Leider iſt ſeine Bedeutung noch nicht allgemein erkannt, da eine zuſammen⸗ hängende Darſtellung des Wirkens dieſes Mannes, das eine ſolche mehr als manches anderen verdient, noch fehlt. Nur ſeine Thätigkeit im Dienſte des Großen Kurfürſten Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1651 58 iſt von B. Erdmannsdörffer in ſeinem BucheGraf Georg Friedrich von Waldeck. Ein Preußiſcher Staatsmann im 17. Jahrhundert eingehend geſchildert worden. Aber wenn man ſeine Briefe und politiſchen Denkſchriften, welche im Arolſer Archiv aufbewahrt werden, durchmuſtert, ſo leuchtet aus ihnen das Bild eines Mannes hervor, ſo voll Geiſt und tiefem Gemüt, voll Energie und klarem politiſchen Urteil, voll wahrer Frömmigkeit und reinem deutſchem Vaterlandsgefühl, daß man unwillkürlich Achtung und hohe Verehrung für eine ſolche Perſönlichkeit faſſen muß. Er iſt es geweſen, der zuerſt den deutſchen Beruf Brandenburg⸗Preußens klar erkannt hat, der im entſcheidenden Augenblick den Großen Kurfürſten veranlaßt hat, bei dem Hin und Her der Parteien und Intereſſen während der Verhandlungen auf dem Reichstage zu Regensburg im Herbſt 1653 ſich auf die Seite der kleineren Reichsſtände, zum Teil gegen die eigenen Intereſſen als Kurfürſt, zu ſtellen, die ſchon faſt ſiegreichen Beſtrebungen der kaiſerlichen Partei zu hemmen und ſo das geſunkene Vertrauen der Reichsſtände zu Brandenburg wieder zu gewinnen. ¹) Er iſt es ferner, der zuerſt den Plan faßte und in einer merkwürdigen Denkſchrift an den Kurfürſt begründete, daß Brandenburg als führende Macht an die Spitze eines wenigſtens alle proteſtantiſchen deutſchen Fürſten umfaſſenden Fürſtenbundes treten müſſe, der in ſeiner Weiterführung zu einer Reform der deutſchen Reichsverfaſſung führen ſollte. ²)

Es fehlt hier der Raum, die weitere politiſche Thätigkeit des Fürſten Georg Friedrich auseinander⸗ zuſetzen, viel weniger noch ſeine Verdienſte als Reichsfeldmarſchall in den Türkenkriegen, namentlich bei der Befreiung von Wien 1783, und als Generaliſſimus im niederländiſchen Dienſt in den Kriegen gegen Ludwig XIV. von Frankreich zu erörtern.

Aber wie ſein Blick in den großen Verhältniſſen der deutſchen und europäiſchen Politik ins Weite ging, weiter als der meiſten ſeiner Zeitgenoſſen, ſo überſah er dabei nicht die geringſte Kleinigkeit in dem engen, beſchränkten Kreiſe ſeiner kleinen Grafſchaft. Man muß ſeine Briefe an ſeinen Kanzler Johann Vietor, der die waldeckiſchen Geſchäfte hauptſächlich für ihn führte und die er nur unterzeichnet

¹) Erdmannsdörffer S. 122 ff. ) Erdmannsdörffer S. 152. 178 ff.