Aufsatz 
Nietzsche Zarathustra und Jesus Christus
Entstehung
Einzelbild herunterladen

292.

151.

312 f.

67. 312.

5, 214 68.

151.

33

richtung und Lebenswertung, undwer ein Erſtling iſt, der wird immer geopfert. Aber ſo will es unſre Art. And ich liebe die, welche ſich nicht bewahren wollen. Jades Geiſtes Glück iſt dies: geſalbt zu ſein und durch Thränen geweiht zum Opfer⸗ thier. Vor unſerem Auge ſteht dabei das Bild Jeſu: von Gott geſandt iſt er in die Welt gekommen in der Wende der Jeiten, ein Erſtlings⸗Samenkorn, das in die Erde gelegt wird, damit es viele Frucht bringe. Zarathuſtra bereitet ſich zu ſeinem letzten, großen Sieg, und es iſt ihm bange davor und er bittet ſein Schickſal, daß es ihn bewahre und ſpare zu ſeiner letzten Größe. Wir blicken auf Jeſus, wie er ſich anſchickt zu ſeinem ſchwerſten Kampf und hören das Wort, das er in der Ahnung des ihm bevorſtehenden Schickſals geſprochen hat:Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, denn es brennete ſchon! Aber ich muß mich zuvor taufen laſſen mit einer Taufe; und wie iſt mir ſo bange, bis ſie vollendet werde! And wieder: wir ſehen nicht, daß Nietzſche Verſtändnis hat für dieſen Heldenmut Jeſu. Je länger er auf ihn hinblickt auf den Jeſus, nicht wie er iſt, ſondern wie er ihn ſich zurecht gemacht hat deſto hochmütiger, blinder, wütender ſtößt er ihn ab:Er iſt vom Pöbel, ein Heiland gut genug für kleine Leute, für die gutwilligen Schafe, die grauen Eſel!

42. Iſt Jeſus ſo, wie ihn Nietzſche dargeſtellt hat, der Mann der einſeitig ſchonenden, zarten, mitleidigen Liebe? Wie muß der das Neue Teſtament geleſen haben, der ein ſolches Bild von Jeſus zeichnet! wie muß der hängen geblieben ſein an der dürftigſten Auffaſſung einzelner Worte oder einzelner Menſchen, wirkklicher oder angeblicher Nach⸗ folger Jeſu, der nichts weiß von der rückſichtsloſen Härte, der ſchonungsloſen Energie, mit der Jeſus ſeinen Kampf führt, und die er fordert von denen, die ſeine Jünger ſein wollen! Nicht Mitleid will Zarathuſtra von den Seinen, ſondern Tapferkeit.Was iſt gut? fragt ihr. Tapfer ſein iſt gut.Warum ſo weich? Oh meine Brüder, alſo frage ich euch. Warum ſo weich, ſo weichend und nachgebend? Wenn eure Härte nicht blitzen und ſcheiden und zerſchneiden will: wie könntet ihr einſt mit mir ſchaffen? Dieſen Worten ſtellen wir zur Seite die Worte deſſen, der acht⸗ zehnhundert Jahre vor Nietzſche⸗Zarathuſtra geſprochen hat:Ihr ſollt nicht wähnen, daß ich kommen ſei, Frieden zu ſenden auf die Erde. Ich bin nicht kommen, Frieden zu ſenden, ſondern das Schwert. Die Evangelien wie die Briefe des Apoſtels Paulus ſind voll von Bildern aus dem Leben des Kriegsmannes; überall tönt der ſcharfe, frohe Ruf: Auf, zum Kampf! überall dringt hervor der helle Klang der Waffen, und blitzt uns ins Auge das Sonnenlicht, das ſich ſpiegelt auf Panzer, Helm und Schwert des Streiters Jeſu Chriſti. Nietzſche freut ſich, daß ein neues Zeitalter des Krieges, der Männlichkeit heraufzieht, und Zarathuſtra ruft den Kriegern zu:So lebt euer Leben des Gehorſams und des Krieges! Was liegt am Lang⸗Leben! Welcher Krieger will ge⸗ ſchont ſein! Iſt es uns nicht, als vernähmen wir die Worte Jeſu, da er ſeine Jünger ausſendetwie Schafe mitten unter die Wölfe? und iſt es nicht wieder ein Zeichen davon, wie Nietzſche über das Wort nicht zur Sache hinauskommen kann oder mag, wenn er von allem nur das eine Wort hört:wie Schafe?Geiſt iſt das Leben, das

ſelber in's Leben ſchneidet: aus ſolchem Geiſt kommt das Wort Jeſu das härteſte

Wort aus dem Munde deſſen, der das Herz voll innigſter Liebe in ſich getragen hat an die Seinen, denen erdas neue Gebot der Liebe gibt:So jemand zu mir kommt und haſſet nicht ſeinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schweſtern, auch

dazu ſein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger ſein.

43. Wie vieles Wohlbekannte, Nahverwandte begegnet uns in Nietzſche⸗Zarathuſtra! Wir freuen uns ſeiner als eines Bundesgenoſſen im Kampf gegen unzüchtige, ſinnlich⸗ weichliche oder frech⸗frivole Lüſternheit, ebenſo wie gegen alles unlautere, kriecheriſch⸗an⸗ maßende Strebertum. Wir möchten wünſchen, daß alle, die ſich als Verehrer und Nachfolger Nietzſche's bekennen, die Worte ihres Meiſters ſich ins Herz dringen und

Hin den Sinn ſchreiben ließen, die er dem edlen Jüngling zuruft:Ich kenne deine

Gefahr. Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beſchwöre ich dich: wirf deine Liebe und Hoffnung nicht weg! Ach, ich kannte Edle, die verloren ihre höchſte Hoffnung. And nun verleumdeten ſie alle hohen Hoffnungen. Nun lebten ſie froh in kurzen Lüſten und über den Tag hin warfen ſie kaum noch Ziele. Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beſchwöre ich dich: wirf den Helden in deiner Seele nicht weg! Halte