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heiße ich meine Segel ſuchen und ſuchen.“„Der lachende Löwe“ iſt das Symbol, das Zarathuſtra beim Herannahen des„großen Mittags“ geſchenkt wird,„da der Menſch auf der Mitte ſeiner Bahn ſteht zwiſchen Thier und Aebermenſch“: die vollſte Kraft vereinigt mit der freien Heiterkeit. And ſchon auf dem Weg zum Aebermenſchen und ſeinem Neich belebt ihn dieſer friſche, frohe Sinn. Lachen, tanzen, ſingen, ja, ſpottend aller Erdenſchwere, fliegen und ſchweben über allem Dunklen, Trüben— das iſt Zarathuſtra's Art. Kein drückendes Geſetzesjoch liegt mehr auf dem Menſchen des neuen Sinnes. Alles„du ſollſt“ iſt für ihn umgewandelt in ein„ich will“. Die Laſt iſt abge⸗ worfen, das Kamel,„der tragſame Geiſt“, der alles Schwerſte auf ſich nimmt, hat ſich in den Löwen verwandelt, der das Recht ſich nimmt zu neuen Werten; und der Löwe wird zum Kinde, dem alles Gute, alles Schöne zum Lachen und zum fröhlichen Spiel geworden iſt. Fort mit dem Geiſt der Schwere, meinem Erzfeind! fort mit der ſchwarzſeheriſchen, verzagenden Müdigkeit! fort mit dem Sinn, der immer nur ſein altes Jammerlied wiederholen kann: Alles iſt eitel! alles iſt gleich! es lohnt ſich nichts! Freudey! mehr Freude!„Seit es Menſchen giebt, hat der Menſch ſich zu wenig gefreut: das allein, meine Brüder, iſt unſre Erbſünde!“ Der vollkommene Held iſt erſt der, welcher über die düſtere„Erhabenheit“ zzur heiteren Schönheit ſich durchgerungen hat. Weg darum vor allem mit dem finſteren Wahn der Sünde!„Alle Wolken blies ich davon, ich erwürgte ſelbſt die Würgerin, die„Sünde“ heißt.— Alſo ſprach Zara⸗ thuſtra.“ Es gibt keine Sünde im Sinn einer Schuld, die wir zu bereuen hätten. Gewiſ⸗ ſensbiſſe ſind ſelber Anrecht, weil ſie uns untüchtig machen zur Arbeit. Sünde iſt Krank⸗ heit, für die Arzt und Arznei zu ſuchen, der Sünder iſt der Feind, der zu bekämpfen,
aber nicht der Verbrecher, der zu beſtrafen iſt.
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27. Schütteln wir ſie nur mit einem kräftigen Ruck ab— die ſchlimmſte Krankheit: die Willensſchwäche. Wollen befreit, der Wille iſt„die Wende aller Not“.„Nichts —— wichſt Erfreulicheres auf Erden als ein hoher, ſtarker Wille: der iſt ihr ſchönſtes Gewächs. Eine ganze Landſchaft erquickt ſich an Einem ſolchen Baume.“ Den ganzen Zarathuſtra könnten wir heißen eine mit ungeheurer Kraft der Aeberzeugung, mit ſieg⸗ hafter Freudigkeit und Wärme vorgetragene Verkündigung von der Macht des Willens. Aufwärts! vorwärts! hinauf in die kühle, klare Höhe der Berge, in die lichte, reine Himmelsluft! ſo tönt es uns in immer erneuten Worten des Entzückens entgegen. Aeber alles Verneinen, allen lebensfeindlichen Peſſimismus erhebt ſich der Weiſe zum heiligen Ja- und Amen⸗Sagen. Denn„das Leben iſt ein Born der Luſt“. Auch alles Vergangene, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, zieht Zarathuſtra hinein in ſein Ja⸗Sagen und ſpricht zu dem Zufall:„Gerade ſo wollte ich es!“ Er erlöſt ſo das Vergangene und den Zufall von dem auf ihm laſtenden Fluch: ſich ſelber geſtaltet der Wille ſein Schickſal. Verachtung aber allen Schwächlingen und Feiglingen, die ausruhen wollen auf ihrer kleinen Tugend oder ihrer eklen Sinnenluſt! Verachtung allem bisherigen Glück, aller der dürftigen Vernünftigkeit des bisherigen Geſchlechtes! Das iſt„die große Verachtung“, die Zarathuſtra liebt, die er, wo er ſie bei ſeinen Mitmenſchen findet, mit freudiger Hoffnung begrüßt. Nafft ſich die Menſchheit nicht auf, ringt ſie ſich nicht empor über ihre jetzige Stufe, ſo ſteht ihr das jämmerliche Schickſal des„letzten Men⸗ ſchen“ bevor, der das traurige Gegenbild des Aebermenſchen iſt. Dann„kommt die Zeit, wo der Menſch nicht mehr den Pfeil ſeiner Sehnſucht über den Menſchen hinaus wirft, und die Sehne ſeines Bogens verlernt hat, zu ſchwirren“, die Zeit, in der es kein wahr⸗ haft Gutes mehr gibt und keine große böſe Tat mehr gedeihen will.„Die Erde iſt dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Menſch, der alles klein macht.“
Soll es nicht dahin kommen, dann muß die Menſchheit die Loſung hören, die ſie zum Kampf ruft. Nicht Friede, ſondern Krieg! nicht Behagen, ſondern Anruhel nicht Ergebung, ſondern Willel nicht ſchlaffes Mitleid und weichliche Nächſtenliebe, ſondern Mut und Tapferkeit! Mut überwindet alles, Mut überwindet auch den Schwindel beim Anblick der Abgründe, Mut überwindet auch den Tod. Mutig ſein, tapfer ſein kann aber nur, wer hart iſt.„Dieſe neue Tafel, oh meine Brüder, ſtelle ich über euch: werdet hart!“— hart gegen euch ſelbſt, hart auch gegen andere, aus Liebe! Du ſollſt den Nächſten lieben als dich ſelbſt— darum auch ihn opfern, wie dich ſelbſt, für die gute, große Sache, die das Ziel der Menſchheit iſt. Nichts iſt weniger geeignet zur Grundlage einer echten Sittenlehre als das Mitleid; niemand unfähiger zur Höhe


