Aufsatz 
Eduard Mörike : Seine Stellung in der Literaturgeschichte und im deutschen Unterricht / von Karl Fischer, Dr. phil., Gymnasialdirektor
Entstehung
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er undvon ſeinen äſthetiſchen Grundſätzen opferte er nicht den geringfügigſten Teil der Mode.In die Maſſen wird er. niemals dringen. Die Zartheit ſeiner Auffaſſung, die Eigenart ſeiner Phantaſie und ſeines ganz von Phantaſie durchtränkten Humors iſt allerdings nicht für jene, aber es giebt m. E. eine ſehr anſehnliche Anzahl poetiſcher und proſaiſcher Stücke, die auch die Maſſe des deutſchen Volks verſtehen, genießen und würdigen kann; nach meiner Auffaſſung iſt Mörike in dieſem Sinne merk⸗ lich volkstümlicher als Goethe.

Höchſt beachtenswert ſind auch die Darlegungen, die Ferdinand Avenarius unter der üÜberſchriftUnſere Lyrik und Mörike im Kunſtwart 13. Jahrg.(1900) 17. Heft bringt. Ich kann nur auf ein paar Hauptſtellen hinweiſen.

Nachdem Avenarius zuletzt gezeigt hat, wie Mörikes Phantaſtik von der der übrigenRomantiker meiſt ſchon in der Wurzel verſchieden iſt, zeigt er an Beiſpielen, wie nur das lyriſche Genie ſo dasbefreiende Wort finden kann wie Mörike, dem es hierin nur Goethe gleichthut. Dieſe Worteheben, was in der Menſchenſeele halbbewußt dämmert, auf einmal herauf ans Licht und geſellen es dadurch dem, was ein Volk feſt erworben hat, und worauf es nun weiter bauen kann. Nur wer ſie findet, die vor ihm noch keiner gefunden hat, iſt deshalb in Wahrheit ein Mehrer, ein Meiſter.

Mit Goethe iſt er nicht nur in ſeinem tiefen und innigen Naturempfinden verwandt, ſondern auch durch ſeine geſunde Sinn⸗ lichkeit, die Luſt des Fabulierens um des Fabulierens willen, ſeine Unbefangenheit, die ihn auch in formaler Beziehung von aller Schulpoetik frei machte, und durch ſein Verhältnis zur Antike.Ja, was dieſes betrifft, ſo blieb er für ſein beſchränkteres Gebiet bis ins Greiſenalter hinein ſo frei, wie Goethe nur in den Jahren der Vollkraft geweſen iſt. Erſt, wenn das Verſtändnis für Mörike uns Deutſche recht durchdrungen hat, werden wir ein⸗ ſehen, daß die wahre Einarbeitung antiken Erwerbs in die deutſche Lyrik von Goethe über Hölderlin nicht etwa zu Platen führt, ſondern zu Mörike.Nicht nur ſeine Vorſtellungen ſind von einer unerreichten Anmut, wir haben auch nie wieder die Anmut

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