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im Volkslied geleiſtet; von beſchreibender und reflektierender Poeſie hält er ſich fern; kein Weltſchmerz verbittert ihn; mild urteilt er über die Menſchen und nimmt ihre Thorheiten meiſt mit Gelaſſen⸗ heit hin. Wenn dagegen Krauß meint, nach religiöſen Gedichten ſuche man vergeblich, ſo iſt mir dies nicht verſtändlich, vergl. „Charwoche“(S. 127),„Kirchengeſang“(S. 160),„Schlafendes Jeſuskind“(S. 163),„Auf eine Chriſtblume“(S. 164 ff.),„Neue Liebe“(S. 171),„Crux fidelis-(S. 172),„Gebet“(S. 174), „Göttliche Reminiscenz“(S. 227 ff.) ꝛc.
„Die Romanzen und Balladen Mörtkes zeichnen ſich durch bewegte Rhythmik aus. Im ganzen gelingen ihm diejenigen Stücke am beſten, welche ſich mehr dem volksmäßigen Liede nähern.“ Hervorragendes leiſtet M. auch in Märchen und Idyll. Der „Idylle vom Bodenſee“ wirft auch Krauß den oben erwähnten Kompoſitionsfehler— m. E. mit Unrecht— vor.
Die dramatiſchen Arbeiten, die veröffentlicht ſind, ſind das Schattenſpiel„Der letzte König von Orplid“ und das Singſpiel „Die Regenbrüder“, die Kr. als„romantiſche Gelegenheitsſtücke“ bezeichnet. Auch bei der Beſprechung des Nolten tadelt Kr. die „Duplizität der Grundidee“; ich kann nur wiederholen, daß ich dieſe Beurteilung nur aus einem Mangel des Verſtändniſſes für die Geſamtauffaſſung des Dichters zu erklären weiß. Sonſt zeigt Kr. für den Nolten treffendes Verſtändnis, wenn er ſagt:„Das iſt keines von den Büchern, die man mit atemloſer Spannung durch⸗ raſt, aber je vertrauter man ſich damit macht, zu deſto größerer Bewunderung zwingt die ungewöhnliche Durchgeiſtigung des ſchon an ſich anziehenden Stoffs. Selten iſt das innere Leben mit ähn⸗ lichem pſychologiſchem Tiefblicke gezeichnet worden, wie von dieſem Dichter.“„Die Darſtellung hält ſich überall ſtreng an die Geſetze edelſter Schönheit.“ Ich übergehe das zunächſt folgende, gegen das ich manche Bedenken habe, und faſſe den Schluß dieſes Ab⸗ ſchnittes bei Krauß ſo zuſammen. An poetiſchen Eigenſchaften überragt Mörike die ſchwäbiſchen Dichter des 19. Jahrhunderts insgeſamt, namentlich als Lyriker. Freilich fiel ſein erſtes Hervor⸗ treten in eine Periode, wo die Tendenzpoeſie, namentlich die politiſche, ſtark aufkam; ſich dieſem Strome anzuſchließen verwarf


