Aufsatz 
Eduard Mörike : Seine Stellung in der Literaturgeschichte und im deutschen Unterricht / von Karl Fischer, Dr. phil., Gymnasialdirektor
Entstehung
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Horaz und einer feinen Schwäbin wäre. Mit Recht beſtreitet auch Weitbrecht, daß in ſeinen romantiſchen Dichtungselementen etwas Ungeſundes ſei, da dieſe von der Art ſeien, daß ſie ſich von der deutſchen Poeſie nicht ganz trennen ließen. Und auch dieſe ver⸗ ſteht er mit ſeinem ſchalkhaften Humor und ſeiner klaſſiſch⸗heiteren Milde ſo zu behandeln, daß ſie ſich in ſeine harmoniſchen Schöpfungen durchaus eingliedern. Seine dichteriſche Welt iſt auch eine Welt des gegenwärtigen Lebens, die nur in der Be⸗ leuchtung ſeines Gemütes und ſeiner Phantaſie erſcheint. Frei⸗ lich nur eins giebt es in dieſer Welt nicht: Den Kampf des Tages und die Tendenz der Partei. Tendenzlos iſt auch ſein Humor, wie jeder geſunde Humor, der weiß, daß das Große und Ewige nicht hinfällt, wenn daneben auch das Kleine und Nichtige ſeine Purzelbäume ſchlägt(vergl. z. B. das Märchen vom ſicheren Mann). Der Humor zieht ſich bei Mörike allerdings immer wieder auch durch den Teil ſeiner Poeſie, die nicht im engeren Sinne humoriſtiſche Poeſie iſt.

Weitbrecht ſieht mit Recht in Mörikes Lyrik und ſeinen poetiſchen Idyllen und Märchen vor allem ſeine dichteriſche Be⸗ deutung. Auffallend bleibt mir dagegen ſein Urteil über Nolten, beſonders aber über die Novellender Schatz und L. Gelmeroth, ſowie die MärchenDer Bauer und ſein Sohn undDie Hand der Jezerte. Hier begegnet man im weſentlichen demſelben Vor⸗ wurf, den einſt Viſcher erhoben hatte: Der Zwieſpältigkeit. Ich finde dies bei demMaler Nolten begreiflich, wenn auch nicht berechtigt die Begründung dafür muß ich mir für meine größere Arbeit verſparen, ganz unbegreiflich und durchaus unbe⸗ rechtigt muß ich aber den Vorwurfdes zwieſpältigen Eindrucks für die ſog.vier Erzählungen finden. Bei den alsMärchen bezeichneten Stücken ſollte ſich doch diemärchenhafte Erfindung von ſelbſt verſtehen, imMärchen weiß man doch,wo man dran iſt. Es war wohl auch dies Bedürfnis nach litterariſcher Deckung gegen eine derartige Kritik, daß M. den Schatz zuerſt als Märchen bezeichnete. Das, was Viſcher und wie es ſcheint auch C. Weitbrecht als phantaſtiſch⸗märchenhaft in beiden Novellen finden, war dem Dichter noch immer ſo real, daß er einen Zwie⸗