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dieſer Naturausrüſtung kommt vor allem das Achte in aller Poeſie; und dies beſteht bei ihm in ſeiner Wahrhaftigkeit; er affektiert nichts, er zwingt ſich zu nichts, er künſtelt nicht, er kennt kein Anempfinden, kein Sichhineinſteigern, kein Sichbeſtimmen. Jede Dichtung fällt als reife Frucht vom Baum des Innern, mit Naturnotwendigkeit, durch die eigne Reife und Schwere löſt ſie ſich leiſe und ruhig vom Zweige los, der ſie getragen hat. Darum haben ſeine Gedichte bei aller höchſt individuellen Art doch die Objektivität des Naturnotwendigen, der Wahrhaftigkeit; ſie ſind wahr und ſchön zugleich, weil und wie ſie da ſind. Dazu gehört freilich jenes tiefinnerliche Eigenleben, das ebenſo weit von eitler Selbſtbeſpiegelung wie flacher Veräußerlichung entfernt iſt. Er ſchaut mit großen Augen in das Getümmel der Welt, nimmt aber nur das auf, was ſich mit dem Beſten in der eignen Bruſt in Eins ſchauen läßt. Dieſer Intimität mit der eignen Seele entſpricht dann auch die Neigung, ſich in einem beſtimmten, vielleicht kleinen Kreiſe einzuſpinnen; um ſo ſicherer wird alles zu poetiſchem Golde, was ſeine Dichterhand berührt; dies zeigt ſich am deutlichſten bei den reinen Gelegenheitsgedichten. Das reiche Innenleben des Dichters iſt es, das auch die ſcheinbaren Nichtigkeiten des Außenlebens adelt und mit ſeeliſchem Inhalt füllt; ſeine Geſtaltungskraft giebt ihm die entſprechende künſtleriſche Form. Dieſe Kraft des Verdichtens, dieſe geſteigerte Intuition in der ganzen Auffaſſungs⸗ und Betrachtungsweiſe hat aber Mörike wie Wenige, dazu kommt die Sicherheit in der Anwendung der am beſten entſprechenden, der am feinſten abgetönten Sprachform, der dichteriſchen Sprachmuſik. Dieſe Rundung und Ganzheit, Objektivität und Formſicherheit hat er weſentlich an der Antike gebildet, aber er ſteht ihr freier gegenüber(wie Hölderlin, bei dem ſie krankhaft, oder wie Platen, bei dem ſie formaliſtiſch verkörpert iſt) ſelbſt als Goethe und Schiller in mancher Beziehung; er hat vielmehr von der Antike abgeſtreift— vielmehr: er hat nicht in ſich aufgenommen— was uns fremdartig iſt, er verfällt nicht in bloße Nachahmung des Antiken, antik iſt eben ſeine plaſtiſche Klarheit und natureinfache Gegenſtändlichkeit, deshalb meinte G. Keller einmal, es ſei gerade wie wenn Mörike der Sohn des


