Aufsatz 
Eduard Mörike : Seine Stellung in der Literaturgeschichte und im deutschen Unterricht / von Karl Fischer, Dr. phil., Gymnasialdirektor
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

unter Teck, von da 1831 nach Eltingen bei Leonberg und von da nach Ochſenwang, einem hoch gelegenen Dorfe auf der Alb, nicht weit vom Hohenneuffen, gekommen. Da er dort längere Zeit bleiben konnte, zog die Mutter zu ihm, bis ihn die Rauhheit des Klimas vom neuem auf die Vikariatswanderung nach Weilheim, Owen und Othlingen trieb, und er endlich im Sommer 1834 die Pfarrei zu Cleverſulzbach im Unterlande unweit Heilbronn an⸗ treten konnte. Darüber ſagt er am Schluß ſeiner Selbſtbiographie, die er altem Herkommen gemäß ſeiner Antrittspredigt in Clever⸗ ſulzbach anfügte, in ſeiner beſcheidenen Weiſe:Nachdem meine augenblickliche Neigung für dieſes, mir ſogar dem Namen nach fremd gebliebene Dorf durch freundſchaftliche Schilderung der hieſigen Verhältniſſe entſchieden war, ſo wagte ich ein unterthäniges Geſuch ohne ſonderliche Hoffnung auf einen beſſeren Erfolg, als früher ähnliche Verſuche hatten. Wie ſehr war ich daher überraſcht und gerührt durch meine wirkliche Ernennung! Wie neu und erhebend war mir der Gedanke, daß ich nunmehr gewürdigt ſein ſollte, von einer Gemeinde vollkommen Beſitz zu nehmen!

Aus dieſer Sturm- und Drangperiode(182634) hat er 53 Stücke, faſt durchweg rein lyriſche, z. T. auch religiöſe in die Sammlung ſeiner Gedichte aufgenommen.

Nach jahrelanger Arbeit veröffentlichte er von Ochſenwang aus 1832 ſeinen zweibändigen RomanMaler Nolten, der ihn auch auf dieſem Gebiete ſogleich auf der Höhe ſeines Schaffens zeigt. Nach Form und Inhalt kann er jeden Vergleich mit Goethe's Wilhelm Meiſters Lehrjahre aushalten. Den Eindruck, den er insbeſondere auf die machte, die Mörike näher ſtanden, war ebenſo außerordentlich wie nachhaltig. Gerühmt wurde der Roman, viel geleſen wurde er, von Hand zu Hand, von Haus zu Haus geliehen, in deutſcher Weiſe aber ſo gut wie nicht gekauft. Noch nach einem Jahrzehnt befand ſich die Mehrzahl der Exemplare in der Hand des Verlegers.

Im Jahre 1833 hatte er einen neuen großen Roman be⸗ gonnen, deſſen Fragmente ich noch in Händen habe. Es handelt ſich darin um ein religiöſes Thema. Der Schmerz über die Auf⸗ löſung ſeiner Verlobung ſcheint dieſer Arbeit ein vorzeitiges Ende