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ein Kind“, der junge Vikar aber ſchon damals von merklich ge⸗ ſchwächter Geſundheit war. Schon in Tübingen fagte Mörike einmal, mit ihm werde es ſchwerlich lange dauern, da er aus einer Familie ſtamme, in der Schlaganfälle zu Hauſe ſeien, und wie oft hatte er ſchon in Urach auf der Krankenſtube ſein müſſen.
Schon nach wenig Tagen kam Mörike von Oberboihingen nach Möhringen auf den Fildern, unweit Stuttgart, wo er nament⸗ lich den Sohn des Pfarrers zu unterrichten hatte. Von da kam er im Sommer 1827 nach Köngen, nicht weit von Nürtingen. „Doch dauerte, ſagt er in ſeiner Selbſtbiographie, mein Aufenthalt auch hier nicht lange. Meine ganze innere Verfaſſung in jener Übergangsperiode, der bisher mühſam unterdrückte Zweifel, ob ich denn auch wirklich zum Geiſtlichen tauge, dabei mein angegriffener Geſundheitszuſtand, drängte notwendig zu dem Entſchluß, auf einige Zeit dem kirchlichen Dienſte zu entſagen.“ Kurz vor Weihnachten 1827 erhielt er Urlaub vom Konſiſtorium. Er wollte in ſeiner Urlaubszeit ſehen, ob es ihm gelänge, ſich eine andere Stellung zu ſchaffen, die es ihm beſſer als ſeine ſeitherige erlaube, ſeinem dichteriſchen Drange und ſeinen litterariſchen Neigungen nachzugeben. Es iſt bekannt, daß ihm dies nicht gelungen iſt, und es iſt ſelbſtverſtändlich, daß es ihn zunächſt ſauer ankam, das ungemütliche, ungeſunde und unbefriedigende Wanderleben des Pfarrvikars im Februar 1829 wieder zu beginnen, aber den Tag ſeines Eintritts in Pflummern bei Riedlingen a. d. Donau hat er in der Folge immer als einen Feſttag im Kalender angeſtrichen und hochgehalten. Schon im Mai des Jahres kam er wieder in die Nähe von Stuttgart nach Plattenhardt auf den Fildern, wo er die Familie ſeines verſtorbenen Amtsvorgängers, noch traf; es war ein herrlicher Liebesſommer, den ſeine Verlobung mit Luiſe Rau, der Tochter jenes Amtsvorgängers beſchloß; aber auch hier war ihm kein Glück beſchieden; vier Jahre darauf löſte ſich die Verbindung wieder auf; von dieſem Schlage hat M. ſich Jahre lang nicht ganz erholt, obwohl er eine ſehr elaſtiſche Natur war. Von Plattenhardt war er im Herbſt 1829 nach Owen bei Kirchheim


