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Den Bruder(Auguſt) tötete die Üüberfülle der Geſundheit ohne irgend einen Vorboten der Gefahr(1824), die Schweſter welkte ſichtbar längere Zeit dahin(† 1827). Von ihr darf ich bekennen, daß ſie mir in vorzüglichem Sinne angehörte; vor wie mancher Thorheit, mancher Übereilung hielt ſie mich zurück! Wie ſehr war ihre ruhige Klarheit, ihre liebliche Hoheit geeignet, auch über die jüngeren Geſchwiſter eine wohlthätige Herrſchaft auszuüben und ſich in jeder häuslichen Pflicht an die Seite der Mutter zu ſtellen.“
Daß er ſelbſt allezeit ein frommer, treuer, rückſichtsvoller und in Liebe hingebender Sohn und Bruder geweſen war und blieb, muß ihm auch der Biograph bezeugen. Wunderbar iſt die Wirkung, die er auf ſeine Freunde ausübte, die ihm mit einer ſolchen Treue und Liebe ergeben waren und ihn in einer ſo zarten Weiſe behandelten, daß, wie die eben geſchilderte Schweſter Luiſe einmal meinte, es dem weiblichen Geſchlechte ſchwer ankäme, dergleichen zu verſtehen, oder gar nachzuahmen.
In Urach gewann Mörike ſogleich für das ganze Leben ſeinen Mitſchüler Wilhelm Hartlaub und den etwas ſpäter ein⸗ getretenen Johannes Mährlen. Die Freundſchaft mit W. Waib⸗ linger hat von Anfang an einen mehr litterariſchen, zum Teil ſchwärmeriſchen, aber immer ſchwankenden Charakter gehabt. In Tübingen ſtanden ihm außer den genannten beſonders nahe Albert
Rheinwald, W. Naſt, Ludwig Bauer, Chr. Blumhardt und die
beiden Ludwigsburger Landsleute David Strauß und Fr. Theod. Viſcher, den er ſchon aus dem Elternhauſe kannte; ferner ſind hier noch von früheren Freunden zu nennen: Hermann Hardegg, Rudolf Lohbauer, Käferle, Butterſack, Bruckmann u. A.
Es waren nicht nur jene Verluſte, die M. in der Familie erlitt und die ihn tief erſchütterten: im Sommer 1824 verlobte ſich auch jene erſte Jugendliebe, der er in dem Gedichte„Erinnerung“ (Ged. S. 5 f.) ein ſo ſchönes Denkmal geſetzt hat, und in Tübingen war um dieſelbe Zeit wieder jene wunderbare Erſcheinung aufgetaucht, die ihn zu den tief ergreifenden und zugleich ſo duftigen Peregrina⸗Liedern(Ged. S. 129—134) begeiſterte. Ich behalte mir vor, in meiner Biographie ausführlicher darauf zurückzukommen;


