Aufsatz 
Eduard Mörike : Seine Stellung in der Literaturgeschichte und im deutschen Unterricht / von Karl Fischer, Dr. phil., Gymnasialdirektor
Entstehung
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12 aufgethan, deren Widerſprüche bereits auf mich zu wirken begannen, ſo daß ich das, was ich mein eigen nennen konnte, was vom Empfangenen mit meinem innerſten Bedürfniſſe zuſammentraf, nur immer heimlicher und feſter an mich zog.

In höherem Grad wuchs freilich die Bewegung, als ich im Jahre 1822 auf die Univerſität in Tübingen gelangte. Wenn ich mich dort in einem kleinen Kreis von gleichgeſtimmten Freunden zurückgezogen hielt, ſo wurde ich dadurch vielleicht von einer Seite vor manchen Abwegen bewahrt, von der andern aber waren mir ſolche doch nicht abgeſchnitten; denn meine geiſtigen Beſtrebungen, obwohl ich damit auch nur das Beſte, was in meiner Natur gelegen ſchien, auf eigene Hand und Rechnung zu entwickeln unwider⸗ ſtehlich angetrieben war, drohten mich von meiner Beſtimmung eher ab- als ihr entgegenzuführen. Daß ich aber dieſem Studium dennoch niemals entfremdet, vielmehr ihm in der Folge wieder völlig zugewendet wurde, verdanke ich nächſt der Beſchränkung meiner äußeren Verhältniſſe, nächſt den wiederholten Mahnungen jenes Stuttgarter Oheims, vorzüglich dem Umgang und der leiſen Leitung eines vertrauten Freundes(Flad), an welchem ſpäterhin die Kirche einen von Jeſu Evangelium innigſt durchdrungenen Diener durch ſeinen frühen Tod verlor.

Von Männern, deren öffentlicher Unterricht in Tübiugen mir zu gute kam, nenne ich die verehrten Herrn Profeſſoren Eſchenmaier, Tafel, Steudel, Schmied, Haug und zugleich mit Empfindungen perſönlicher Dankbarkeit den ſeligen Herrn Prälat v. Bengel.

Zunächſt ſei aber jetzt noch zweier trauriger Familienereigniſſe erwähnt, wovon das eine in die Mitte meines Tübinger Aufent⸗ halts, das andere in meine erſte Vikariatszeit fällt. Ein jüngerer Bruder, herrlich blühend an Leib und Seele, mit ungemeinen Gaben ausgeſtattet, eine ältere Schweſter, von der das Gleiche gilt, nur mit dem Unterſchiede, der ſie zugleich vor ſo vielen ihres Geſchlechts und Alters ausgezeichnet daß bei ihr die geiſtigen Kräfte bei aller Heiterkeit des Gemüts durch einen großen, ja ich darf es ſagen himmliſchen Ernſt veredelt und gereift, im ſchönſten Gleichgewicht ſtanden beide Geſchwiſter wurden uns in einem Zeitraume von drei Jahren nach des Allmächtigen Willen entriſſen.