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Klassen nicht ausreichten zur völligen Bewältigung des gramma- tischen Lehrstoffs, so scheint es uns aufser Zweifel zu stehen, daſs. dies in den mittleren Klassen insofern der Fall ist, als es an Zeit fehlt, um durch reichliches mündliches Ubersetzen in das Lateinische sowie durch immer wiederholtes Auffrischen der Formen- lehre, besonders auch der Stammzeiten, die Schüler zu einer sicheren Beherrschung des grammatischen Lehrstoffs zu führen. Die lateini- schen Skripta besonders der oberen Klassen zeigen fortwährend, Z. T. in auffälliger Weise, die Spuren dieser Unsicherheit, zu deren Be- seitigung auf dieser Stufe nichts Ausreichendes mehr geschehen kann. Denn von den 2 Stunden Grammatik geht durch die An- fertigung der schriftlichen Arbeiten und die spätere Durchnahme derselben der gröfste Teil für jene Wiederholungs- und Einübungs- arbeit verloren. Soll es bei der verfügbaren Zeit verbleiben, so kann nur dadurch Abhilfe geschafft werden, dals am Schluls der Skripta bezw. am Anfang derselben Einzelsätze bezw. Formen von IV bis II 2 diktiert werden, zugleich aber die Zahl der Skripta von III 2 aufwärts vermindert wird, damit für jene UÜbungen, namentlich auch für ein reichliches mündliches Ubersetzen ins Lateinische, die nötige Zeit gewonnen wird. Man täuscht sich nämlich, wenn man für die Einübung den Skriptis, zumal in den oberen Klassen, so hohen Wert beilegt; für die Beherrschung des grammatischen Lehr- stoffs sind sie von geringerem Werte als die mündlichen Uber- setzungen ins Lateinische, und der Ertrag der Skripta in dieser Beziehung nimmt nach oben immer mehr ab, je weniger den Schülern im grammatischen Unterricht Neues geboten werden kann.
Eine andere ungünstige Beobachtung bezieht sich speziell auf 0 II. In den letzten Jahren zeigt sich in dieser Klasse unverkenn- bar eine Erschlaffung, die nach unserer Auffassung nur als Folge der Abschlufsprüfung angesehen werden kann. Die pflichttreuen Schüler nämlich strengen sich für diese in U II oft übermäſsig an, die trägen thun dies wenigstens in den letzten Monaten oder Wochen; alle aber haben nach dem Bestehen jener Prüfung das Gefühl, eine groſse That gethan zu haben und nun ein wenig der Ruhe pflegen zu können. Minderwertige Elemente, die früher beglückt mit ihrem Berechtigungsschein abgingen, kommen jetzt mit ihrem„Reife-


