74 aller ſeiner Sünden bittet; ſeinen Leib aber empfiehlt er der Erde.
Am 7. Januar 1692 wurde er zu Weſtminſter in der Nähe der geliebten Schweſter, am oberen Ende der Südſeite der Kapelle von St. Martin in aller Stille beigeſetzt. Die Trauerrede hielt Sir Gilbert Burnet, Biſchof von Sarun, der 21 Jahre mit dem Verewigten in vertrautem Umgang geſtanden hatte. Der eigne Schmerz über die Größe des Verluſtes, ſowie das Gefühl, daß hier ein ſeltner Menſch und Chriſt beſtattet werde, machte dieſen ſonſt etwas wortkargen Mann beredt.*) Sein Text war Pred. 2, 26: Dem Menſchen, der dem Herrn wohlgefällig iſt, giebt er Weisheit, Erkenntnis und Freude. Burnet legte hier vor Boyles Vertrauten und Verwandten öffentlich ein Zeugnis für ihn ab. Er hebt zu— nächſt ſeine reine und ungefärbte Frömmigkeit hervor, ſowie ſeinen Eifer für das Chriſtentum ohne jede Engherzigkeit, bigotten oder fanatiſchen Eifer. Immer wirkte er für das Evangelium, das Chriſtentum, nie für Konfeſſionen. Wie er das Evangelium unter Malaien, Arabern, Türken, Indiern, Nordamerikanern verbreiten ließ, ſo gab er auch bedeutende Summen aus für die Verbreitung der iriſchen Bibel. Seine Mildthätigkeit kannte keine Grenzen. Außer für jene Zwecke, für Pfarrer und ihre Witwen ꝛc. verwandte er jährlich für milde Zwecke ca. 1000 Pfd. St.—
Und wie dieſes öffentliche Zeugnis lauten alle anderen; alles wieder in Übereinſtimmung mit ſeinem Leben, ſeinen Worten und Werken. Er hatte z. B. eine Stiftung gemacht, daß jährlich acht Predigten gehalten würden, immer am erſten Montag jedes Monats— Juni, Juli, Auguſt und Dezember ausgenommen—, in welchen die Wahrheiten des Chriſtentums gegen Atheiſten, Heiden, Juden und Muhamedaner vertreten, die konfeſſionellen Unterſchiede aber nicht berührt werden ſollten. Das Chriſtentum war ihm ein Syſtem von Wahrheiten, welches 2) Burnet. Sermon at the Funeral of the Hon. R. Boyle, London 1692.


