68 endliche Vernunft nicht über die unendliche Weisheit des Schöpfers und Herrn aller Herren zu ſtellen.
In die Mitte der 80er Jahre fällt die Veröffentlichung der Abhandlung über die höchſte Verehrung Gottes, die der menſchliche Verſtand ihm ſchuldig iſt, zumal wegen ſeiner Weisheit und Allmacht(IV, 339 ff). Die Abhandlung zerfällt in 3 Teile: I. In Gott ſind mehr Vollkommenheiten als bis jetzt offenbar ſind; II. Auch ſeine bekannten und bekannteſten Vollkommenheiten ſind nicht genug erkannt: 1) Seine Allmacht wird erkannt a. aus der Größe der Welt, b. der Kraft und Geſchwindigkeit der räumlichen Bewegung der Sterne ꝛc. 2) Seine Weisheit a. aus der ſicht⸗ baren, b. der unſichtbaren Creatur und deren Regierung, c) dem jüngſten Gericht, d) der Erlöſung. 3) Auch dieſe Er— kenntnis bleibt unvollkommen. III. Die Engel können unſere Vorbilder ſein. Den Schluß macht ein Exkurs, daß Gottes Verſtand und Weisheit größer iſt als die aller Creaturen. Im einzelnen führt er aus, daß es ſowohl göttliche Eigenſchaften giebt, welche uns noch unbekannt ſind, als auch Wirkungen derſelben, die über unſer Begreifen gehen. Zur Erkenntnis jener kann man gelangen durch Betrachtung von Gottes Werken und Worten. Die Schrift ſagt ausdrücklich, daß Gott in dem uns unzugänglichen Lichte wohne, daß unſer Wiſſen Stückwerk iſt und wir die göttlichen Dinge nur in einem Rätſel, in cinem dunklen Spiegel ſehen. Bezüglich der Wirkungen der Weisheit Gottes hebt Boyle hervor, daß auch das allerkünſt— lichſte Uhrwerk nicht mit dem geringſten Gotteswerk in der Natur zu vergleichen ſei. Dem kunſtvollen Bau entſpricht die Mannigfaltigkeit und Anzahl jener Weſen. Gott kann die verſchiedenartigſten Körper bauen und in beliebiger Anzahl ſchaffen, dabei tritt überall eine wunderbare Harmonie und Symmetrie hervor. Dasſelbe lehrt eine Betrachtung der Himmelskörper, ſowie der Luft-, Land-, Waſſer- und Wärmeverteilung. Noch wunderbarer iſt, daß die ganze Lebewelt in unſcheinbarem Keime bezw. Samen enthalten iſt. Ferner wie unendlich ſchwer


