Aufsatz 
Robert Boyle : ein christlicher Natur- und Schriftforscher / dargestellt von Karl Fischer
Entstehung
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ſie mit ihnen, fällt ſie auf Gott, ſo iſt ſie ewig wie er. Dieſen Gedanken ſpinnt er in den folgenden Abſchnitten weiter aus. Gott iſt unermeßlich, nur die Liebe zu ihm kann auch uner⸗ meßlich ſein; die Gottesliebe iſt wie ein Diamant ohne Flecken, je größer er iſt, deſto teurer und ſchöner iſt er. Die Liebe zu einem Geſchöpf iſt nur eine geſchenkte, die zu Gott eine ſchuldige. Daher, wer Gott liebt wie er ſoll, betrübt ſich, daß er ihn nicht brünſtiger lieben kann; ſie macht ihn der Gottesgemeinſchaft teilhaftig(1. Joh. 4, 16), ſie macht ihn Gott ganz unterthan, Gottes Wille wird ſein Wille. So wird er eines guten Ausgangs gewiß und enthält ſich ver⸗ derblicher Wünſche; ſo führt dieſe Liebe zur Selbſtverleugnung. Daher geſchieht es, daß die Heiligen und Engel im Himmel der göttlichen Glückſeligkeit teilhaftig ſind, weil ſie dem Willen Gottes gemäß ſich verhalten, während die aufrühreriſchen Geiſter ſich durch ihren Eigenwillen in das äußerſte Elend ſtürzen.

Wer Menſchen liebt, nimmt teil auch an ihrem Leid; dieſes Mitleid iſt zum Teil beſchwerlich, zum Teil vergeblich, denn wer Mitleid hat, ohne helfen zu können, betrübt ſich. Wer aber Gott ſein Herz ſchenkt, hat nur teil an ſeiner Glück ſeligkeit und iſt allezeit ſeiner Hilfe gewiß. Alſo dort Affekt ohne Effekt, hier Effekt ohne Affekt. Allerdings kann die Gottesliebe auch Unruhe bringen(Phil. 1, 13), und heißes Verlangen; aber dies iſt nicht ein Mangel an Luſt, ſondern an größerer Luſt. Dieſes Verlangen iſt ein ſicheres Zeichen der Anwartſchaft auf die höchſte Luſt(Matth. 5, 6, Offenb. 22, 17), jene Sehnſucht iſt ein Pfand des Geiſtes (2. Corinther 5, 5). Die fleiſchliche Liebe dagegen iſt an Pein, Eiferſucht ꝛc. gebunden. Der Zuſtand menſchlicher Verliebtheit erſcheint auf dem Theater ſchöner als in Wirk lichkeit. Wie oft iſt eine ſolche Liebe wie eine Mimoſe und die Ehe ein Würfelſpiel. Allerdings kann uns die menſchliche Liebe zur Gottesliebe anleiten und helfen, denn auch jene, wenn ſie wahr und treu iſt, lehrt Selbſtverleugnung zu gunſten der geliebten Perſon. Wer weltliche Lieder ſingen kann, vermag