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Verſuchung kommen, die Geſchichte einſeitig theologiſch, authropologiſch, oder phyſiologiſch zu betrachten; die Geſchichtsphiloſophie kann dann nicht in die Lage kommen, daß der troſtloſe Kreislauf nächſtdem wieder von neuem beginnt.
Nach all dieſen Darlegungen wird Niemand darüber zweifelhaft ſein, daß die Geſchichtsphiloſophie keine ſelbſtändige Wiſſenſchaft, ſondern nur eine Disziplin, ſei es der Geſchichte, ſei es der Philoſophie, ſein kann. Das letztere ſcheint mir dabei zunächſt aus zwei Gründen ausgeſchloſſen. Einmal iſt die Geſchichtswiſſenſchaft diejenige Wiſſenſchaft, welche der Geſchichtsphiloſophie den Stoff darbietet; böte ſie denſelben dem Philoſophen und nicht dem Hiſtoriker dar, ſo würde der Philoſoph ſich von einer andren Wiſſenſchaft in einer Weiſe als präjudiziert anſehen müſſen, welche eine freie wiſſenſchaftliche Thätigkeit nicht mehr geſtattet. Sodann iſt das erſte Erfordernis, welches die Wiſſenſchaft an einen Philoſophen ſtellt, das, daß er ein ſpekulativer Kopf iſt; was hier aber die größte Leiſtungsfähigkeit bedingt, könnte jetzt in der Geſchichts— philoſophie leicht die folgenreichſte Leiſtungsunfähigkeit bedingen. ¹) Schon daraus folgt, daß die Geſchichtsphiloſophie zunächſt zur Hiſtorik gehört; freilich bedarf es zu ihrer Ausübung nicht bloß eines hiſtoriſch-politiſch begabten und geſchulten, ſondern auch philoſophiſch gebildeten Hiſtorikers; und daß es ſelbſt bei unſeren bedeutendſten Hiſtorikern mit der philoſophiſchen Durchbildung nicht durchaus gut beſtellt iſt, darf wohl ein öffentliches Geheimnis genannt werden.
Wenn alſo eine Philoſophie der Geſchichte nur unter den angegebenen Einſchränkungen und Vorausſetzungen möglich iſt, ſo iſt ſie auch vom Standpunkt des Hiſtorikers wiſſenſchaftlich erforderlich, weil nur durch ſie das höchſte Ziel der Geſchichtswiſſenſchaft erreicht werden kann. Wie heute freilich die Dinge liegen, erſcheint mir die Lage des Geſchichtsphiloſophen, ſofern er Hiſtoriker iſt, noch keine erfreuliche. Es fehlt noch allenthalben an den nötigen Vor⸗ arbeiten; dieſe Thatſache, ſo unerfreulich ſie iſt, bedarf doch hier ſchon der Erwägung. Es iſt dringend erforderlich, daß die Hiſtoriker,
¹) Dagegen Kaftan, die Wahrheit der chriſtl. Relig. S. 414 ff. u. a. St.
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