Aufsatz 
Ist eine Philosophie der Geschichte wissenschaftlich erforderlich bezw. möglich? / von Karl Fischer
Entstehung
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eine auf den Willen und die Bewegungen des Menſchen berechnete Geſetzmäßigkeit zu erkennen.

Indem alſo nun im Zuſammenleben der Menſchen mit ein⸗ ander jene oben bezeichneten Anlagen zu Kräften entwickelt werden, zeigt es ſich wie jeder Einzelne Produkt und Produzent der Geſchichte iſt!). Dies zeigt ſich ebenſo im Leben der Einzelnen wie der Völker.So miſcht und kreuzt ſich alſo im menſchlichen Handeln auf verſchiedene Art das äußere Können und das innere Dürfen mit dem eignen Mögen und Vermögen.²)

Als Schlußergebnis aller dieſer Betrachtungen ſtelle ich nun folgendes im Anſchluß an Becks) auf.

Die Geſchichte im Kleinen und im Großen iſt eine Ent⸗ wicklung des menſchlichen Lebens, die allerdings vermittelt iſt durch das ſich ſelbſt beſtimmende Handeln der Menſchen, aber ſo, daß dieſem Handeln ſeine elementaren Grundlagen gegeben ſind, von denen es auszugehen hat, und ſeine Reſultate beſtimmt ſind, über die es nicht Herr iſt und nicht hinauskommt; beides iſt gegeben durch eine in ihren Grundlagen und ihren Reſultaten bemeſſene Weltordnung, und eben in dieſer bemeſſenen Ordnung ſpricht ſich ein regierender Geiſt aus. Es iſt kein Zufall, und doch auch nicht nur eine phyſiſche Zwangsmacht, ſondern es iſt eine regierende Geiſtesmacht, welche Natur und Geſchichte verbindet zu einem Ganzen, das urgeſetzlich und zielgeſetzlich zuſammengreift, das eine moraliſche Weltordnung darſtellt.Die Geſchichte macht ſich durchaus nicht iſoliert vom Naturleben, ſondern erbaut ſich anf demſelben. Im Natur⸗ wie im Geſchichtsleben wirkt der Gottes⸗ wille, unabhängig von Menſchen); aber dort tritt dieſer als zwingendes Naturgeſetz(Inſtinkt) hervor, hier ſoll ſichdas allge⸗ meine Naturgeſetz im individuellen Bewußtſein und Wollen, d. h. intelligent und ethiſch ausprägen.Es liegt nun allerdings in der menſchlichen Freiheit, dem Urvernünftigen und Urgeſetzlichen

¹) Vergl. Kaftan, das Weſen der chriſtlichen Religion. Baſel 1881. . 154 ff.(Ich citiere nach der 1. Aufl., da mir die 2. nicht zur Hand iſt.)

2) Beck, a. a. O. S. 334.

3) Beck, a. a. O. S. 336 ff., vergl. auch Kaftan, die Wahrheit ꝛc.

. 508, 519 ff., 535 ff. 4) Vergl. Kaftan, die Wahrheit ꝛc., S. 412.

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