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dieſer Aufgabe gehörte Freiheit der Entſchließung; ohne Möglichkeit des Böſen war jene Entwicklung, wie jede ſittliche Entwicklung unmöglich; thatſächlich handelte es ſich beim Sündenfall der erſten Menſchen um dasſelbe, um was es ſich in jedem Einzelleben, in dem Leben der Generationen und Völker handelt: um Überwindung der Selbſtſucht, um Beugung des Eigenwillens, um das Bewußtſein der Geſchöpflichkeit gegenüber der eingebildeten Selbſtherrlichkeit. Dadurch, daß jenes von dieſer unterdrückt wurde, kam das Böſe in die Welt, dieſes mußte aber hineinkommen können, damit der Menſch an der„Verſuchlichkeit“ ſeine ſittliche Anlage entwickeln, ſeine ſittliche Kraft proben und ſtärken konnte. Es viderſpricht aber keineswegs dem bibliſchen Gottesbegriff, daß Gott nicht bloß aktiv, ſondern auch paſſiv, zulaſſend gedacht wird. Auf dieſer Zulaſſung, auf der menſchlichen Freiheit ¹) beruht ja, wie geſagt, die ganze von Gott gewollte ſittliche Entwicklung der Menſchheit. Dieſe Entwicklung vollzieht ſich nun in der Geſchichte. Die Menſchen tragen in ſich das Gefühl der Zuſanmmengehörigkeit, der Einheit gegenüber dem Tierreich und der anorganiſchen Welt. Ein Blut iſt es, das in ihnen allen fließt.„Dadurch wiſſen wir uns bei allen individuellen und nationalen Naturunterſchieden doch als ein Geſchlecht organiſiert. Dieſe unmittelbare Naturempfindung, die vor aller Reflexion durch das ganze Menſchengeſchlecht geht und welche wieder Herz an Herz bindet, dient zur Grundlage, auf welcher ſich das Bewußtſein des Urſprungs von einem Schöpfer entwickeln ſoll und kann, indem der Naturempfindung, dem Bewußt⸗ ſein der Naturthatſachen die eine religiöſe Anlage, das innere Gotteszeugnis entgegenkommt. Aber unter dieſer Einheit tritt auch eine Mannigfaltigkeit und Zerteilung des Menſchengeſchlechts hervor und zwar eine ſolche, die ebenſo durch feſte Naturbegrenzungen vollzogen iſt. Es ſcheidet ſich das Leben des einen Menſchen⸗ geſchlechts nach Zeitabſchnitten und nach Ländermarken, es ſcheidet ſich damit in hiſtoriſche und geographiſche Entwicklungsformen, in Perioden der Blüte, in Nationalitäten u. ſ. w.“ ²) Überall iſt ¹) Kaftan, die Wahrheit des Chriſtentums S. 536.
2) J. T. Beck, Vorleſungen über chriſtliche Glaubenslehre 1886, 1 S. 157 ff. Vergl. Waitz⸗Gerland Anthropologie I.


