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Auf Grund der bibliſchen Lehre würden ſich die Hauptpunkte etwa ſo faſſen laſſen: Der Menſch beſteht aus Körper, Geiſt und einer Miſchung beider, der Seele; ¹) er war nach dem Bilde Gottes geſchaffen. Wenn daraus die alte Dogmatik geſchloſſen hat, daß die Gottesbildlichkeit ein virtus des Menſchen ſei, ſo irrt ſie, jene iſt nur eine Anlage, wie Sittlichkeit, Vernunft und Sprache nur Anlagen ſind, deren völlige Vernachläſſigung nach den biologiſchen Geſetzen zum Entarten, bezw. Erlöſchen der bezüglichen Fähigkeit führen. Infolge des Sündenfalls iſt das Gleichgewicht jener drei Faktoren zu Gunſten des Körpers, der Sinnlichkeit geſtört; dieſe krankhafte Veränderung der menſchlichen Natur zeigt ſich nun als geiſtige Schwäche und ſinnliche Macht. Dabei iſt es aber wieder durchaus unbibliſch, die Seele als völlig verſündet, als nur Sünde darzuſtellen. Jener ſinnliche Hang wurde durch Vererbung zu Naturhang, der ſich in Luſt und Unluſt zeigt; dieſer Hang wird Erbſünde genannt. In dem Kinde zeigt ſich dieſer Naturhang als natürliche Lebensluſt undKraft bezw. als-Schwäche; es weiß noch nichts von dieſem Hang zur Sünde, es iſt nicht ſündlos, aber frei von perſönlicher Schuld; es iſt unſchuldig, wie der Heiland ſo gerne hervorhebt und anerkennt. Erſt wenn das Geſetzes⸗ bewußtſein eintritt und das Lebensgeſetz erkannt wird, welches den Widerſpruch zwiſchen Geiſt und Fleiſch zeigt(Röm. 7, 7 ff.), tritt der bewußte Widerſpruch gegen den Geiſt hervor, welcher aus der Erbſünde durch die fleiſchliche Selbſtliebe zur perſönlichen Schuld und Sünde führt. Der Erbſünde entſpricht der Erbtod, der perſönlichen Sünde die Strafe des Gerichts.
So erklärt es ſich, daß zwei große hiſtoriſche Prozeſſe neben einander herlaufen, der des Guten und Wahren und der des Böſen und des Irrtums. Wie kann nun, darf billig gefragt werden, das Böſe in eine Welt kommen, die der gute Gott geſchaffen und der wahrhaftige Gott als gut geſchaffen bezeichnet hat? Gott hatte ſeinem vornehmſten Geſchöpf Gottesbildlichkeit als Anlage mit⸗ gegeben; dieſe Anlage zu entwickeln war ſeine Aufgabe, zur Löſung
1) Vergl. für dieſe und die folgenden Punkte meine bibl. Pſychologie, Biologie ꝛc. Gotha, 1889; ſowie J. T. Beck, Vorleſungen über chriſtliche Glaubenslehre 1886. II. S. 432 ff., S. 362 ff.


