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atheniſchen Zuhörern, die wie die antike Welt ihren geiſtigen Blick vor der Zukunft verſchloſſen durch das Schwelgen in dem goldnen Zeitalter der Vergangenheit, lehrt er, daß Gott einen Tag feſtſtellte, an welchem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit. Er lehrt ferner, daß es nach Gottes Willen geſchieht, daß die Menſchen in der Vielheit der Völker und Länder wohnen, denn er nſetzte vorbeſtimmte Zeiten und die Abgrenzungen ihres Wohnens feſt“. Der Apoſtel giebt aber auch den Zweck der Geſchichte für die Menſchen an,„zu ſuchen Gott, ob ſie ihn denn wohl ertaſten und finden möchten und zwar als Einen, der nicht ferne iſt von einem jeglichen unter uns“. Dieſem Zweck entſpricht der Plan, daß er einen Mann ſandte,„welchen er beſtimmte, nachdem er Glauben dargeboten haben wird Allen, indem er ihn auferweckte von den Toten“. Deshalb bezeichnet Rocholl mit Recht den Apoſtel als den, welcher„alle weſentlichen Grundlinien für eine chriſtliche Geſchichtsphiloſophie“ zeichnete; er gab der Geſchichte Stoff und Form, Anfang und Ende, Ziel und Plan; er hat„die Geſchichte der Menſchen als ein göttliches Kunſtwerk erfaßt“.— ¹)
Es iſt an dieſer Stelle unmöglich, ausführlich zu begründen, wie von dieſem Boden aus ein folgerichtiger Aufbau der Geſchichts⸗ philoſophie geſchaffen werden könnte, in welchem alle die Probleme derſelben enthalten und verſtanden ſind, an deren Erklärung ſich die unbibliſche Philoſophie ſchon anderthalb Jahrtauſende ohne Erfolg abmüht. Die Grundlage muß aber die bibliſche auch des⸗ halb ſein, weil die theologiſche Wiſſenſchaft zunächſt aus einem Kompromiß mit der heidniſchen Philoſophie entſtanden, dann mehr oder weniger auf dem ſcholaſtiſchen Boden feſtgehalten, ſeit Kant aber mit den Wandlungen der Philoſophie verknüpft worden iſt. 2)
¹) Erſt durch die Apokalypſe wird die chiliaſtiſche Anſchauung, die nicht mit Unrecht peſſimiſtiſch genannt wird, in die Geſchichtsbetrachtung gebracht; erſt Jrenäus läßt dte Geſchichte in 6 Schöpfungstagen, bezw. Jahrtauſenden, verlaufen, deren 7. der Sabbat des Millenimus iſt; erſt Hieronymus führt die 4 Weltmonarchien Daniels in die Geſchichts⸗ betrachtung ein.
²) Es geht nicht an, hier meine Stellung zur h. Schrift zu präziſieren, bezw. darzulegen was ich unter bibliſchem Realismus verſtehe. Da ich aber die bezüglichen Überzeugungen Kübels teile, ſo verweiſe ich auf deſſen
Vortrag„Über das Weſen und die Aufgabe einer bibelglaubigen Theologie“. Stuttgart 1889. Vergl. auch Römheld, Theologia Sacrosancta. I. 1888.


