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damit ſie ſich da durchbohren? Warum läßt man bei jenen als bewieſen und Beweis gelten, was im Grunde nur eine durch den Syllgismus nicht widerlegte Hypotheſe iſt? Wenn man ſagt, dieſe oder jene Theorie oder Vorausſetzung in den Naturwiſſen⸗ ſchaften iſt wiſſenſchaftlich legitimirt, da ſich aus ihr Alles unge⸗ zwungen und ausreichend erklären läßt, ſo haben die Geiſtes⸗ wiſſenſchaften auf derſelben Forderung zu beſtehen, falls ſie die daran geknüpfte Bedingung zu erfüllen im Stande ſind. ¹)
Nach Rocholl ſoll nun dieſe Vorausſetzung in den„Vorder⸗ ſätzen“ der„chriſtlichen Kirche“ beſtehen. Was er unter jenen ſich denkt, giebt er nicht an; auf Vermutungen will ich mich nicht einlaſſen. Was die„chriſtliche Kirche“ ſein ſoll, verſtehe ich nicht recht. Meint er aber die, welche im Glaubensbekenntnis ihre Stelle hat, ſo ſind die„Vorderſätze“ in keiner Weiſe ausreichend, um darauf eine chriſtliche Geſchichtsphiloſophie zu bauen. Und darum würde es ſich doch handeln.
In Bezug auf die Aufgaben der Geſchichtsphiloſophie, wie er ſie faßt, ſtellt er mit Recht die Fragen: Wie ſteht es mit der Weltregierung, mit dem Verhältnis zwiſchen Notwendigkeit und Freiheit, zwiſchen Natur und Geiſt, Gott und Welt, Gut und Böſe, Ganzem und Einzelnen; giebt es einen Fortſchritt in der Geſchichte? welche Stellung nehmen die Genies in ihr ein ꝛc.? Welches iſt das Weſen des Menſchen und darnach ſein Ziel und wie verhält ſich der Geſchichtsverlauf zu beiden?
Ferner: Im Gegenſatz zur philoſophiſchen Geſchichtſchreibung hat es die Philoſophie der Geſchichte nach Rocholls und— ſoviel ich ſehe— Aller derer Anſicht, welche ſeither dieſelbe behandelt haben, mit dem Ganzen der Menſchheit zu thun; ſie ſoll den dieſem Ganzen zu Grunde liegenden Gedanken aufſuchen; ſie ſoll der Selbſtorientierung, der Selbſtverſtändigung der Menſchen dienen. Dazu müßten die Ergebniſſe„aller Wiſſenſchaften“ herangezogen werden. S. 2 meint er:„Von der Aſtronomie an, welche der Erde die Stelle anweiſt und für den Schauplatz der Geſchichte den großen Hintergrund aufrollt, von der Geologie, welche das
¹) Kaftan, die Wahrheit ꝛc. S. 349, 377 f., 400 f.


