der Geſchichte die neue Zauberformel,„Der Menſch und ſein Glück“, eingeführt wird, ſo läßt ſich m. E. in dieſer Arbeit ein weſentlicher Fortſchritt nicht vermuten.
Am Schluſſe dieſer allerdings ſehr mageren Überſicht, die, wie bemerkt, im weſentlichen auf der Arbeit Rocholls beruht, wird es von Intereſſe ſein, deſſen Anſichten über das ganze Ergebnis, über das was allenfalls in Zukunft geſchehen könnte, ſowie über ſeine Auffaſſung von Philoſophie der Geſchichte zu hören und zu prüfen.
In Bezug auf die Ergebniſſe der ſeitherigen Verſuche urteilt er, daß, wie drei Richtungen in der geſchichtsphiloſophiſchen Behandlung hervorgetreten ſeien: die theologiſche, humaniſtiſche und materielle, jede dieſer drei Richtungen einſeitig ſich auf Geiſt, bezw. Seele und Körper beſchränkt habe. Man kann ihm darin für die meiſten, nicht aber für alle Bearbeiter zuſtimmen. Mit Recht hebt er ſodann hervor, daß von geſicherten Ergebniſſen nirgends die Rede ſei. Ob Weltregierung oder nicht, bleibe in Frage, desgleichen Anfang, Ende, bezw. Alter der Geſchichte, ob Fortſchritt oder nicht, und wenn, ob in gerader Linie oder in Spirale; ob Notwendigkeit oder Freiheit, bezw. in welchem Ver⸗ hältnis beide ſtänden; wie es mit dem Böſen in der Welt beſchaffen „ſei u. ſ. w. Ich ſtimme Rocholl in der Hauptſache bei, wenn er S. 391 ſagt:„Wer Geſchichtsphiloſophie als vorausſetzungsloſe und exakte Wiſſenſchaft verlangt, wird gut thun, auf dieſelbe völlig zu verzichten.“ Er hätte freilich beſſer gethan,„und exakt“ weg⸗ zulaſſen, vielleicht würde er dann auch ſich ſelbſt geſagt haben, daß es überhaupt keine„vorausſetzungsloſe“ Wiſſenſchaft giebt. Die heutige phyſikaliſche Wiſſenſchaft beruht z. B. weſentlich auf der Vorausſetzung vom Weltäther, die Phyſiologie und Biologie auf der Vorausſetzung von der Exiſtenz deſſen, was man Leben nennt. So wenig die Phyſik den Weltäther als vorhanden beweiſen oder ſeine Eigenart erklären kann, ſo wenig vermag dies die Biologie mit dem Leben. Keine Wiſſenſchaft kann ihre Axiome beweiſen, auch die Mathematik nicht. Weshalb iſt man ſo leicht geneigt, dieſen Wiſſenſchaften ihre Vorausſetzungen, Theorien, oder wie man ſie nennen mag, zuzugeſtehen, den Geiſteswiſſenſchaften aber immer das dickſte und knorrigſte Stück des Brettes hinzuhalten,


