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die Gattung, ſondern für jeden einzelnen Menſchen“ ſei, konnte er zu einer Geſchichtsphiloſophie nicht gelangen. Einer ſeiner bedeutendſten Anhänger, bezw. Schüler, Lazarus glaubt die geſchichts⸗ philoſophiſche Aufgabe durch die Völkerpſychologie, welche„die Phyſiologie des geſchichtlichen Lebens der Menſchheit“ ſei, löſen zu können; ohne Erfolg. ¹)
Einen weſentlich abweichenden Standpunkt vertritt Lotze. ²) Wenn er auch eine göttliche Leitung in der Geſchichte anerkennt, ſo tritt er doch dem Optimismus mit dem ſtarken Zweifel ent⸗ gegen, ob ein wirklicher Fortſchritt auf irgend einem Gebiet des geſchichtlichen Lebens nachzuweiſen ſei. In Bezug auf die Philo⸗ ſophie der Geſchichte ſagt er:„Die Gliederung, durch welche das irdiſche Leben mit jenem umfaſſenderen Weltlauf verknüpft iſt, ſteht unſerer wiſſenſchaftlichen Einſicht ſo fern, daß wir nicht hoffen können, den weſentlichen Begriff des Sinnes der Geſchichte vorher zu entdecken, um durch ihn nachher die Einzelheiten ihres Verlaufs zu deuten.“ In dieſem Sinn iſt alſo nach Lotze eine Philoſophie der Geſchichte unmöglich.
Im Jahre 1870 trat Conrad Hermann mit einer„Philoſophie der Geſchichte“ hervor, die von Hegel ausgeht und auf teleologiſchem Standpunkt ſteht. ³) Sein pſychologiſcher Ausgangspunkt iſt unrichtig, denn die Religion weiſt er ausſchließlich an's Gefühl, dazu iſt ſein Verfahren ſo willkürlich und nicht ſelten widerſprechend, daß er zu einem anerkennenswerten Ergebnis nicht gelangen konnte. Ferner weiſt Rocholl darauf hin, daß er an„verſchämtem Darwinismus“ leide, ſodaß ſeine Kulturentwicklung nur ein Widerſchein der Natur⸗ welt ſei.
Die neuſte größere Geſchichts⸗Philoſophie eines ruſſiſchen Gelehrten ⁴), die mir nicht vorgelegen hat, will zwar— wie ich deutſchen Beſprechungen entnommen habe— nicht teleologiſch ſein, iſt es aber doch. Und wenn als Maßſtab für den Fortſchritt in
¹) Vergl. außer Rocholl den Aufſatz von J. B. Meyer in der hiſtoriſchen Zeitſchrift 1871. Bd. 25(S. 308— 378), S. 312 f., 328 ff.
2²) Außer Rocholl S. 328 ff. zu vergl. Meyer a. a. O. S. 304 f.
3) Vergl. Rocholl S. 352 ff., Meyer a. a. O. S. 306 ff., 332 ff.
4) Karejew, Die Grundfragen der Philoſophie der Geſchichte. Moskau 1883.


