i*ſt kein Unterſchied; ¹) Laſter und Tugend ſind Produkte wie Zucker und Vitriol; hiergegen konnte denn auch die Reaktion nicht aus⸗ bleiben, welche in de Maistre, Gratry, Rosmini, Rougemont u. A. zur Erſcheinung gekommen iſt. In England vertreten den ſog. Poſitivismus J. St. Mill, Lewes, Spencer, Lubboc, Tylor, Buckle. Auch der letztere wendet in ſeinem bekannten Werke die Phyſik auf die Geſchichte an; es giebt nach ihm ebenſo wenig Willens— freiheit wie Genie, er kennt nur Notwendigkeit und Willkür; die fortbewegende Kraft iſt nur der Intellekt, Fortſchritt wird nur durch den Nutzen, das Intereſſe bedingt; Religion hat der Menſch nur aus Furcht, mit dieſer hört jene auf. Während Macaulay und Carlyle dieſem Materialismus entgegen treten, ſchließt ſich der Amerikaner Draper demſelben im Ganzen an. Der Amerikaner Carey dagegen, deſſen Hauptverdienſt in der Bekämpfung des wirtſchaftlichen Syſtems von A. Smith liegt, hält trotz ſeiner vermeintlich rein mathematiſchen Methode und trotz ſeiner Lehre, daß der Menſch vor allem durch die Aſſoziation beſtimmt ſei, an der Individualität, Selbſtverantwortung und Entwicklungsfähigkeit der Menſchen feſt.
Im grellen Gegenſatz zur Idealphiloſophie kam in Deutſchland die nihiliſtiſch-peſſimiſtiſche auf; gemeinſam iſt beiden Richtungen die Bodenloſigkeit. Nach Schopenhauer iſt die Weltgeſchichte neigentlich bloß eine zufällige Konfiguration“, ſie iſt im Grund nur eine große Täuſchung, ein ſchwerer Traum des Menſchengeſchlechts. Deshalb kann es bei ihm weder eine Geſchichtsphiloſophie noch eine Geſchichtswiſſenſchaft geben, denn die Geſchichte iſt nur ein zuſammenhangsloſes Wiſſen; ähnlich E. v. Hartmann, Bahnſen ꝛc. Nach Fr. v. Hellwald iſt die Selbſtſucht die einzige Richtſchnur des Handelns, die Wiſſenſchaft muß die Ideale zerſtören und zeigen, daß Gottesglaube, Religion, Sittlichkeit Lug und Trug ſind, „Erfindungen der Menſchheit zum Zweck der Selbſterhaltung“.
Im Gegenſatz hierzu geht Herbart und ſeine Anhänger von der Pſychologie aus; aber bei der Einſeitigkeit ſeiner Auffaſſung und der Meinung, daß die Weltgeſchichte„eine Schule nicht für
¹) Vergl. auch Lorenz a. a. O. S. 195. 3*


