Aufsatz 
Ist eine Philosophie der Geschichte wissenschaftlich erforderlich bezw. möglich? / von Karl Fischer
Entstehung
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fremdes Urteil anlehnte; ſeine Begründung:weil ich dem meinigen zu wenig vertraute iſt wie alles, womit er uns erfreut hat, würdig und aufrichtig.

N. Vogts Werk, das hier eine kurze Beſprechung verdient, iſt 1802 in 2 Bänden erſchienen und führt den Titel:Syſtem des Gleichgewichts und der Gerechtigkeit. Er geht davon aus, daß alle WiſſenſchaftReſultatenwiſſenſchaft iſt, die auf hypo thetiſchen Grundlagen ruht, ſofern ſie nicht als theothetiſch geglaubt wird. Sein Syſtem bezeichnet Vogt ſelbſt als dynamiſch. Nach ſeiner Meinung geht Alles von Gott aus,er hat aber in der Natur eine Wechſelwirkung von Kräften geſchaffen, wodurch Alles geht, lebt und bewegt wird(I., 27). Durch dieſe Wechſelwirlung entſteht dasGleichgewicht oder die ſinnliche Gerechtigkeit. Wie nun Alles von Gott ausgeht, ſo ſtrebt Alles zu ihm zurück.

Jenes Geſetz nun äußert ſich inAnziehung und Rückſtoß, Liebe und Haß, Verlangen und Abſcheu, nur dadurch iſt Gleich⸗ gewicht möglich. Dadurch nun, daß dies von den Menſchen geſtört wurde, geſchah alles Uebel. Er betrachtet das Gleichgewicht ſodann im Einzelnen und findet, daß es beim Individuum als häusliche, beim Staat als bürgerliche, in der Welt als göttliche Gerechtigkeit erſcheine. Indem er nun auf den einzelnen Menſchen übergeht, findet er, daß der Menſch aus Körper und Geiſt und einem Dritten beſteht, welches die Miſchung jener darſtellt, dem Menſchen kommt alſo eine körperliche oder tieriſche, eine geiſtige oder göttliche und eine aus beiden gemiſchte humane Natur zu. Es leuchtet ein, daß Vogt damit in der Hauptſache auf dem Standpunkt der bibliſchen Pſychologie ſteht. Auf dem Gleichgewicht jener drei, Leib, Geiſt, Seele, beruht die menſchliche Gerechtigkeit bezw. Glückſeligkeit. Aus dem Zuviel oder Zuwenig dieſer drei Kräfte entſtehen alle Krankheiten, Untugenden ꝛc. Man kann leicht bemerken, daß dieſe Auffaſſung einſeitig⸗mechaniſch, ähnlich wie bei Ariſtoteles ſein kann; ſie kann aber auch verwandt gedacht werden mit dem biologiſchen Geſetz der Korrelation. Jene Betrachtungen dehnt ſodann Vogt auf Staat und Welt aus, welche aus Materie, Geiſt und Seele beſteht. Im zweiten Band, wo er eine weltgeſchichtliche Darſtellung nach ſeinen Prinzipien verſucht, die aber zu formlos iſt und in der Hauptſache