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beurteilung grundſätzlich enthält.¹) Dieſe Kluft wurde noch durch die Form der Darſtellung, welche beide wählten, erheblich erweitert. In mehr als einem weſentlichen Punkt widerſpricht ſowohl Ranke wie Schloſſer der Aufſatz, den W. v. Humboldt über„die Aufgabe des Geſchichtſchreibers“ verfaßt hat.„Das Talent des Geſchicht— ſchreibers, ſagt er da, iſt dem poetiſchen und philoſophiſchen mehr verwandt und bei dem, welcher keinen Funken dieſer beiden in ſich trägt, möchte es ſehr bedenklich um den Beruf zum Hiſtoriker ausſehen.“ Wer nur die Thatſachen feſtſtellen will,„verfehlt das Weſen der Wahrheit ſelbſt“. Der Hiſtoriker muß die„Ideen“, welche die geſchehenen Dinge durchwalten, dies„beſeelende Prinzip“ erkennen und darſtellen. Er muß ſich aber ebenſo hüten, vorgefaßte Meinungen hinein zu tragen, ſonſt kommt er leicht in die Verſuchung, Thatſachen zu fälſchen. Zur Auffaſſung und Darſtellung der geſchichtlichen Ideen bedarf es der Empfänglichkeit und Kongenialität. Humboldt will aber dabei weder etwas von teleologiſcher noch philo⸗ ſophiſcher Geſchichtſchreibung wiſſen; auch warnt er vor allzu pſycho⸗ logiſcher Behandlung, weil dadurch die„Tragödie der Weltgeſchichte“ leicht zum„Drama des Alltagslebens“ herabſinke. Der Hiſtoriker ſolle die„Summe des Daſeins“, das„Bild des Menſchenſchickſals“ geben. Schon bis hierher wird man Unklarheiten bemerkt haben. Es iſt nicht erſichtlich, wie der Hiſtoriker in Humboldts Sinn etwas anderes ſchreiben kann als philoſophiſche Geſchichte, denn die Philoſophie hat ja eben die Gründe und den Zuſammenhang der Dinge aufzuſuchen, und jene Forderung Humboldts iſt ohne Anwendung dieſer Art von Geiſtesthätigkeit nicht zu erfüllen. Daß dabei der Hiſtoriker der pſychologiſchen Auffaſſung entraten könne, iſt nicht einzuſehen; was freilich die„allzu ſtarke“ pſychologiſche Behandlung bedeuten ſoll, entzieht ſich ſachlichem Ermeſſen. Wenn Humboldt das Zurückgehen auf die Grundidee, das„innere Lebens⸗ prinzip“ verlangt, ſo iſt das wieder nicht ohne philoſophiſche Behandlung möglich; und wenn er mit Recht ſagt, daß die Welt⸗ geſchichte„nicht ohne eine Weltregierung verſtändlich iſt“, ſo iſt damit thatſächlich auch ein teleologiſches Element eingeführt. Soviel
¹) Vergl. Lorenz a. a. O. S. 55 f.


