Aufsatz 
Zur Geschichte der Anstalt / K. Fischer
Entstehung
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Bereits am Anfange des folgenden Jahres, 1775, mangelte es an Brennholz und auf ein dies⸗ bezügliches Geſuch des Konſiſtoriums beſtimmte die Regierung, daß ſtatt 40 jetzt 60 Karren geliefert werden, die Schüler aber den Fuhrlohn für die hinzugekommenen 20 Karren ſelbſt bezahlen ſollten. Daß auch damit der Not nicht abgeholfen war, beweiſen die fortgeſetzten Beſchwerden, die übrigens um ſo begreiflicher erſcheinen, wenn Magiſter Trepka berichtet, daß von den der 3. Klaſſe zufallenden 10 Karrenmanchmal ein etwas ſtarker Schüler die ganze Ladung eines Karrens in den Bücherriemen geſchnallt und ſo in den Hof geworfen hat.

Februar 1776 wurde auch Schulgeld wieder eingeführt: Rektor und Konrektor erhielten quartaliter von jedem Schüler 30 Kreuzer, der Magiſter 25 Kreuzer, die armen Schüler, welche ſich zu melden hatten, blieben frei von demſelben.

Von Intereſſe ſind die Ausführungen über den damals gehandhabten Lehrplan, welcher auf Verlangen der Behörde 1782 von den Lehrern eingereicht wurde. Leider fehlt der Bericht über die 1. Klaſſe. Die 3. Klaſſe zerfiel damals nach Verſchiedenheitan Alter und Fähigkeiten in 4 früher 3 Ordnungen. Die 1. Ordnung lieſt vorbereitend Cornel, Eutrop und Phädrus, endigt und wiederholt Röhlings Chreſtomathie und die Uebungen aus dem Deutſchen ins Lateiniſche aus dem Speccius und fängt in den letzten Monaten den Justin und Königsteutſchs Chreſtomathie an. Mittwoch u. Samſtags wird aus Schepps Lehrbuchdie natürliche Religion vorgetragen, doch auch zugleich die Wahrheit der heil. Schrift feſt eingeprägt. Dann wird aus demſogen. geogr. Kinderſpiel ein Blatt vorgenommen und mit Geſchichtsfragen verbunden durchgegangen. Ferner wurdenaus der natürlichen Geographie und Naturgeſchichte die nötigen Kenntniſſe für Kinder vorgetragen und durch Bilder deutlich gemacht, wobei der Lehrer immer die Unterweiſung ſo einrichtet, daß die Kinder zur Einſicht vollkommen ſchöner Zuſammen⸗ kettung des großen Ganzen vorbereitet werden. Iſt noch Zeit übrig, ſo wird aus Sulzers ſchönem Schul⸗ buch oder aus Baſedows Elementarwerk, oder aus der Nürnberger Zeitung etwas Unterhaltendes und Aufklärendes geleſen.(Dieſe Lektionen ſind mit den andren Ordnungen gemeinſchaftlich.) Die 2. Ord⸗ nung exponiert, wenn an den anderen 4 Tagen die 1. ihre gemachten Lektionen niederſchreibt, Röhlings Chreſtomathie, Eutrop und Speccius und ſchreibt ihre Lektionen nieder, wenn die 3. Ordnung anfängt. Dieſe macht aus Rambachs Grammatik, Röhlings Chreſtomathie und Speccius die ihnen angemeſſenen Stücke,welche die, ſo im Schreiben geübt, niederſchreiben. Die 4. Ordnung lerntBuchſtaben kennen, Buchſtabieren, Leſen. Montag, Dienſtag und Freitag Nachmittag wird dekliniert nnd konjugiert und die Regeln faßlich erklärt. Iſt Zeit, ſowird korrigiert und aus dem Kopf von allen Schülern deutſch und lateiniſch buchſtabiert, um dieſe zum richtigen Schreiben zu gewöhnen. Donnerſtag Nachmittag wird ge⸗ rechnet. In die folgende Klaſſe wird nur verſetzt, wer die 4 Rechnungsarten kann. Da aber zu all' dieſem die Zeit zu kurz iſt, hält der Lehrer noch 3 Privatſtunden,in welchen die Schüler auf ihre Lektionen vorbereitet werden. Die armen hören nur zu, die andren zahlen jeder monatlich 30 Kreuzer damals waren es deren 6. Jährlich im September findet Examen mit Prämienverteilung ſtatt. Die 2. Klaſſe zerſiel in 2 Ordnungen. Die 1. überſetzt bezw. wiederholt Cornel und Juſtin, danneinen Poeten. Die 2. Cornel und Phädrus, kombiniert ſind beide in 4 Stunden Geographie, verbunden mit Natur⸗ und politiſcher Geſchichte, und in 3 Stunden in der allgemeinen Weltgeſchichte. Im griechiſchen wird Stroths Chreſtomathie geleſen.Zum Rechnen iſt die Stunde Mittwoch von 89 ausgeſetzt, hat aber bisher zu unentbehrlicheren Ding verwandt werden müſſen.

Im Frühjahr 1786 wurde zum 1. Male dem Rektor das Prädikat Profeſſor beigelegt. In der allerſchlimmſten Not muß der Magiſter Trepka ſchon in dieſen Zeiten geweſen ſein, denn die Akten ſind mit Bitten und Geſuchen,demüthigſtes Anflehen nennt er ſie, um Holz oder Korn, oder Geld gefüllt; auf Verwendung des Konſiſtoriums wird ihm dann meiſt auch etwasgeſchenkt.

Von beſonderer Bedeutung iſt der im Herbſt 1792 eingeführte, von Profeſſor Wißeler in Herborn ausgearbeiteteLektionsplan für die reformirten lat. Schulen der Fürſtlich Oranien⸗Naſſauiſchen Lande.(Zu Herborn im Druck erſchienen.) Nach dieſem iſt der Hauptzweck dieſer Schulenjunge Leute zur Benutzung des akad. Unterrichts vorzubereiten. Die Hauptſache ſeien die alten Sprachen, weil dieſe für die gelehrten Berufe unentbehrlich ſeien. Weil aber in dem Plan allgemein 3 Vormittagsſtunden verlangt wurden, opponierten z. B. die Diezer Lehrer, weil ſie ſich nur zu 2 Stunden verpflichtet hätten und ſetzten auch ihren Willen durchin Rückſicht ihres Alters und ihrer vorgeſchützten Unvermögenheit.