Aufsatz 
Zur Geschichte der Anstalt / K. Fischer
Entstehung
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zu einem 3. Lehrer zu kommen, es ſchlägt deshalb Febr. 1774 vor, interimiſtiſch den gerade anweſenden SchleſiſchenProſelyten Trepka als 3. Lehrer anzuſtellen, welcher mit 100 150 fl. zufrieden ſei, da er in dem Waiſenhauſe bei der Lotterie gebraucht wird und die Koſt bekommt, überhaupt aber ein ſehr williger und genüglicher Menſch iſt. Da unterdes der penſionirte Hoforganiſt geſtorben war, ſo wurde Trepka angeſtellt und die Anſtalt hatte wieder einen 3. Lehrer. Im März 74 beantragte endlich die Regierung beim Fürſten die Genehmigung des vor 8 Jahren vom Konſiſtorium geſtellten Antrags, freilich mit be⸗ deutender Herabſetzung der Gehaltsſätze, welche nun 350, 250 und 150 fl. betrugen, mit freier Wohnung für den Rektor. Einen Monat darauf genehmigte der Fürſt jenen Antrag, der ſeitherige Magiſter Hoff⸗ mann wurde Rektor. Hierauf bezieht ſich die folgende Bekanntmachung in den Dillenburger Intelligenz⸗ Nachrichten vom 13/8 1774:ͤVermittelſt gnädigen Reſkripts vom 23. April haben Ihre Hoheit der hie⸗ ſigen lat. Stadtſchule die Benennung eines Pädagogium beizulegen, zugleich auch das an dem Kirchberg dahier gelegene, vor einigen Jahren neuerbaute Haus zu einem öffentlichen Schulgebäude und Wohnung für den Rektor des Pädagogium der Stadt D. gnädigſt zu ſchenken geruht. Durch ein anderweit gnä⸗ digſtes Reſkript vom 8. Juli iſt der bisherige Magiſter Hoffmann zum Rektor, der Interimskonrektor Herr Booſe zum wirklichen Konrektor und Herr Trepka zum Magiſter bei hieſigem Pädagogium beſtellt worden. Den 19. und 20. Auguſt wird der öffentliche Examen der hieſigen lat. und deutſchen Schulen, wie gewöhnlich, auf dem Rathauſe gehalten werden. Die obere lat. Schule wird den 19. um 8 Uhr Morgens den Anfang machen. Die Schüler werden darin Proben von ihrem Wachsthum in der lat., griech. und hebr. Sprache, in der Geographie, der Kenntniß der Kugeln und der Uebung im Schönſchreiben ablegen. Nach Endigung desſelben werden ſie folgende Vorſtellungen machen. Henrich Cunz wird eine lat. Rede von der Vortrefflichkeit der Liebe zu dem Vaterlande halten. Das Vaterland iſt derjenige Staat, dem man ſich zur Treue verpflichtet hat, man mag nun darin als ein eingeborner Unterthan leben, oder als ein Ausländer in ſeine Dienſte aufgenommen worden ſein. Die Liebe zu demſelben, die ſo geſchickt iſt, treue, fleißige und redliche Bürger zu bilden, verdient doch wohl, daß man in Schulen davon rede, ſie früh empfehle und preiſe. Hieranf wird in zwoen deutſchen Reden das Gedächtniß und Lob des durchl. Prinzen von Oranien Wilhelms I. vorgetragen werden; Henrich Karl Dapping wird die vornehmſten Denkwürdigkeiten des Lebens dieſes ſtaatsklugen und großmüthigen Prinzen ſeinen Zuhörern in einem kurzen Grundriſſe vor Augen zeichnen: und Anton Karl Terlinden wird die Anweſenden mit dem Lobe der Tugenden desſelben unterhalten. Die Völker ſind zu allen Zeiten ſtolz auf die erhabenen Männer geweſen, welche unter ihnen geboren worden. Auch Naſſau prangt mit der Ehre, daß ſie(die Naſſau) große Regenten und Helden hervorgebracht habe, welche mit dem Gerüchte Ihrer Thaten die Welt erfüllet haben: ſollte ſie denn für dieſes Glück nicht empfindlich ſein und zuweilen Ihr Lob in ihren Gränzen erſchallen laſſen? Nach dieſen werden 15 Schüler das moraliſche Gedicht Hiobs in verſchiedenen Auftritten vorſtellen. Dieſes Gedicht übertrifft durch die Ehrwürdigkeit ſeines grauen Altertums, durch die Hoheit ſeines Inhalts, durch die Erhabenheit, womit es von Gott und ſeinen Werken redet, durch die Aufklärung der Wege der göttlichen Vorſehung, durch die Schönheit und den Wohlſtand ſeiner Poeſie alle übrigen poetiſchen Werke der alten Welt. Der ganze Plan desſelben macht es zu einer Schulhandlung ſehr geſchickt. Ich habe dasſelbe alſo in deutſche Reime nach der Michaeliſchen Ueberſetzung gebracht; doch mich der Kürze halben mehr an den Sinn, als die Worte derſelben gehalten. Die jungen Griechen lernten in ihren Schulen einen Homer, Euripides und andere Poeten auswendig: es iſt daher nichts Ungewöhnliches, noch Unnützes, wenn man in unſeren Schulen die chriſtliche Jugend ein ſo lehrreiches Gedicht aus unſeren heiligen Ur⸗ kunden, dem Inhalte nach vorſtellen läßt, und ſie dadurch in ſo wichtigen Wahrheiten zu ihrem eignen Lehrer macht. Dieſes, nebſt der Bildung des äußerlichen Vortrags, war meine Abſicht. Des Nach⸗ mittags um 2 Uhr wird die untere lat. Schul-Jugend ſich zum Examen verſammeln und darauf in zweien lat. Geſprächen ſich in der Vorſtellungskunſt üben. Ich halte es für meine Pflicht, alle hohen Gönner, Liebhaber und Freunde der freien Künſte öffentlich zu dieſer Schulfeierlichkeit einzuladen und Dieſelben mit der ſchuldigſten Ehrerbietung zu bitten, ſolche mit ihrer Gegenwart, zur Aufmunterung der Jugend, zu beehren. Hoffmann.

Von dergleichen öffentlichen Ankündigungen findet ſich nur noch eine in den mehr als 40 Jahrgängen des oben bezeichneten Blatts, nämlich aus dem Jahre vorher, wo 8 Schülerin einem deutſchen poetiſchen Geſpräche die Sprachverwirrung bei Babel vorſtellten, desgl. 14 Schüler dieGeſchichte des mißlungenen Kriegszugs des Königs der Perſer Xerxes.