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Lehrers allgemeine Prämien für alle 3 Klaſſen eingeführt, welche nach dem öffentlichen Examen zur Ver⸗ teilung kommen ſollten. Der Anfangsbetrag für dieſelben mit 15 fl. wurde bald darauf auf 25 und ſpäter auf 50 fl. erhöht. Zur ſelben Zeit wurden endlich entſprechende geographiſche Lehrmittel angeſchafft, freilich nur 2 Globen für die 1. Klaſſe und 24 Landkarten,„an welchen es ſeither gänzlich gefehlt hatte.“ Indes war damit die Not keineswegs beſeitigt, wie eine ſehr charakteriſtiſche Eingabe an die Landesregierung 20 Jahre ſpäter zeigt, nämlich die„demütigſte Bitte der Pädagogiſten 3. Klaſſe um gnädige Anſchaffung einer großen neuen Karte von 4 Blättern ſowohl von Europa als auch von Deutſchland mit guter in das Auge fallenden Illumination und neuer Berichtigung.“ In der Begründung wird hervorgehoben, daß die 3. Klaſſe keinen Atlas habe, und daß die zwei großen Karten von Europa und Deutſchland, welche vor 12 Jahren von der Landesregierung geſchenkt ſeien„teils durch den täglichen Gebrauch, teils durch den in der Schule aus Mangel guter Oefen häufig vorhandenen Rauch ſo ſchwarz und unbrauchbar geworden, daß man mit vieler Mühe im Sommer bei heiterem Himmel, geſchweige im Herbſt und Winter nur die Hauptteile unterſcheiden kann.“ Unterzeichnet iſt die Eingabe von 3 Schülern als den„hierzu kommittierten Cives.“ So erhielten ſie denn aus der„herſchaftlichen Bibliothek des Lenglet du Fresnoy kurze Erdbeſchreibung mit 8 auf Pappdeckel gezogenen Landcharten.“ Ununterbrochen aber erſchallen die Klagen über die Kümmer⸗ lichkeit der Lehrerbeſoldungen; namentlich war es der Konrektor, welcher bei 50 Dienſtjahren und 100 fl. Gehalt fortwährend um Gewährung von Brennholz und Korn auf eiue klägliche Weiſe bittet.
Von großer Bedeutung für die Geſchichte der Schule war die Anregung, welche vom Ober⸗Konſiſtorialrat und Oberprediger Schepp ausgehend, vom Konſiſtorium mit Eifer und Einſicht aufgenommen und vertreten, zu einer Verbeſſerung der Lage führte. Im September 1766 beantragte nämlich auf Grund des vorgenommenen Examens der Genannte und darnach das Konſiſtorium die Umgeſtaltung der Anſtalt zu einem Paedagogium. Die Zahl der„Claſſiquen,“ hieß es in dem Antrage, betrage 49, ſie würde aber bedeutender ſein, wenn man geräumige Schulſtuben„entweder in der Stadt oder wenigſtens nicht weit am Berge“ hätte. Verſchiedene Ausländer, reicher Leute Kinder, hätten ſich an den Magiſter um Aufnahme gewandt, aber die Stuben ſeien zu klein— deshalb finde das Examen ja auch auf dem Rathauſe ſtatt— und lägen„zu weit ab und zwar am jähen Hang des Schloßbergs. Dozenten und Diszenten müſſen dieſen weiten und gefährlichen Weg mit vieler Beſchwerlichkeit und im Winter mit Gefahr der Geſundheit und des Lebens täglich 2mal auf⸗ und abſteigen.“ Dieſes ſchrecke Fremde ab und mache„den Dozenten ihre ohnehin be⸗ ſchwerliche Arbeit noch ſaurer.“ Deshalb ſchicke auch die„Dienerſchaft“(d. h. die Beamten) ihre Kinder nicht hin. An der Schule ſelbſt beſtänden zu viel Spieltage; es fehlte der Unterricht in Rhetorik, Logik und Arithmetik, ſowie in Geometrie und im Franzöſiſchen, ſo komme es, daß ſie auch keine Actus promotionis vornehmen dürfe. Da aber ‚„eine zahlreiche hohe und niedere Dienerſchaft“ da ſei und bleibe und nach dem Willen des Fürſten„geſchickte Bediente im geiſtlichen und Civil⸗Stande“ gebildet werden ſollten, ſo müſſe noch eine Klaſſe zugefügt werden, damit man ein vollſtändiges Gymnaſium habe. Ein beſonderes Schulhaus, in welchem der Rektor ſeine Wohnung habe, ſei notwendig; die Beſoldungen ſeien auf 500, 350, 250 fl. in fixo feſtzuſtellen. Folgen dann die Vorſchläge zur Beſchaffung der nötigen Mittel; unter anderen ſollten die 100 fl., welche die Schützengeſellſchaft erhielt und die nur zu„Säuffen“ und Müßiggang dienten, hierzu verwandt werden; auf Bericht der Regierung lehnte dies letztere ſpäter der Fürſt ab. Das Konſiſtorium rief ununterbrochen an, reichte auch Immediatgeſuche beim Fürſten ein, man kam nicht vorwärts. Die Beſchwerden häuften ſich. Der Konrektor Knoell beklagte ſich Juni 1769, daß ihm der Magiſtrat zu D. ſein Holzdeputat ſchon ſeit lange zurückgehalten habe, weil er unverheiratet ſei und bei ſeinem Vater wohne; da dieſer Vorwand jetzt hinfällig geworden ſei, weigerte ſich der Magiſtrat mit dem Bemerken, daß er ja„keinen Groſchen gemeinen Nutzen gäbe.“ Da Petent nicht willens ſei, ſich mit dem Magiſtrat in einen Holzſtreit einzulaſſen, ſo erwarte er von der Behörde ſein Recht. Dies wird ihm denn auch. In einer der folgenden Eingaben führt der Magiſter aus, daß er ſeit 20 Jahren an einem Orte unterrichte,„welcher einem Gefängnis ähnlicher iſt als einer Schule.“„Weil es nicht möglich iſt, fährt er fort, die Geographie, die Hiſtorie, die Lehre von den Globis und anderen Stücken in der öffentlichen Schule zu treiben, ſo bin ich genötigt, ſolche privatim vorzunehmen“ und zwar ohne Entgelt, ſodaß er auf folgende Schulſtunden wöchentlich kam: Montag, Dienſtag, Donnerſtag von 8— ½ 12 und 1— 4, 5—6, Mittwoch 9— 1 ½, 2— 3, 5— 6, Freitag 9— 11, 1—4, 5— 6, Samſtag 8— ½ 12, 2—3. Während die Klagen dieſerhalb, ſowie Elend, ja Hunger fortdauern und die Perſonen fortwährend wechſeln, blieb ſonſt alles beim Alten. Das Konſiſtorium benutzte endlich eine Gelegenheit, um wenigſtens
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