Aufsatz 
Zur Geschichte der Anstalt / K. Fischer
Entstehung
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Beinahe alle Einzelbeſtimmungen laſſen ſich auf jenen Erlaß zurückführen, deſſen Entwurf ebeufalls von Zeppers Hand herzurühren ſcheint. Der Anfang lautet: Opera scholastica a praeceptoribus ad Deum mane incipiant et vespere claudant. Post praeceptiones matutinas caput biblium publice legant. Doctrinam catecheticam singulis matutinis horis per classes ad 7. horam exer- ceant. Sodann folgt eine Beſtimmung über das Aufſchreiben der Predigt. Unter den folgenden Be⸗ ſtimmungen iſt hervorzuheben, daß die lat. und griech. Gram. Vorm. 78 gelehrt werden ſoll. Usus praeceptionum in autoribus monstrantur et styli exercitiis, quae hebdomatim ad minimum bina habebunt: ita ut primarii interdum etiam exercitii loco, e latino in vernaculam linguam, ad facultatem germanici sermonis comparandam, aliquid transfundant. Hervorgehoben mag noch das folgende werden. Die ganze Methode muß gehen ad puerorum ingenia, profectus et captum, singulari adhibita prudentia. Das Gedächtnis ſoll nur mit dem nothwendigen gefüllt, das Urteil muß geübt und geſchärft, der Verſtand gebildet und das Sachverſtändnis gefördert werden. Die Knaben ſollen nicht durch die allzu große Maſſe der Regeln beſchwert werden. Bei allen ſchriftlichen Arbeiten deren in den unteren Klaſſen täglich mindeſtens 2 gemacht werden müſſen iſt auf ordentliche, genaue und elegante Schreibart ſorgfältig zu achten. Immer ſind die Schüler zur Frömmigkeit und Gebet anzuhalten; in der Kirche muß ad cavendum scandalum ſorgfältige Aufſicht ſtattfinden; die Schüler ſind an Ehr⸗ erbietung, Gehorſam, Pflichterfüllung und Wahrhaftigkeit, an Beſcheidenheit und Schamhaftigkeit zu ge⸗ wöhnen. Praeceptores ipsi pietatis, modestiae et gravitatis exemplis pueris prodeant. Auf Reinlichkeit des Geſichts, der Hände, Kleider ꝛc. iſt zu ſehen und darauf zu achten, daß die Schüler nicht lärmend ꝛc. herumlaufen; die Körperpflege bedarf beſonderer Aufmerkſamkeit, dabei ſoll die Zucht eine väter⸗ liche ſein, die frei von Härte und Prügelei iſt. Horas constitutas strictissime cum praeceptores tum discipuli observent. Ne ulli discipulo, absque praeceptoris venia, e schola abesse liceat. Jedes Fehlen des Schülers in einzelnen Stunden iſt zu bemerken. Nur ein Speeltag darf ſtattfinden. Ludimoderator per singulas classes et collegarum operas et discipulorum profectus observet. Die Unterſchulmeiſter haben in allen Schulangelegenheiten dem Rektor zu gehorchen, dieſer ſoll ohne den Inſpektor keine Aenderungen oder Neuerungen vornehmen. Kein Lehrer darf ohne Erlaubnis des In⸗ ſpektors verreiſen und ſeine Stunden und Arbeiten einem anderen übertragen.

Die Verpflichtung, 3 Jahre mindeſtens zu bleiben, welche der neue Rektor eingegangen hatte, iſt nicht erfüllt worden; ſchon im folgenden Jahre erhielt er einen Nachfolger, wie aus der obigen Zuſammen⸗ ſtellung hervorgeht. Daß die Räumlichkeiten der Schule ungeeignet und zu vielen Störungen des Unter⸗ richts Anlaß gaben, geht aus dem Entwurf eines Erlaſſes vom September 1597 hervor, deſſen Einzel⸗ heiten ich freilich nicht habe entziffern können. Außer Klagen der Stipendiaten, welche in dieſer Zeit laut wurden, iſt eine lateiniſche Bittſchrift bemerkenswert, welche Wilhelm Mangernomine studiosae iuven- tutis Tillenburgicae an den Grafen ohne Datum richtete. Der Hauptſatz lautet:cum nunc et nummi et ligna deficiant, nec tamen hyemis finis conspiciatur, rogamus omnes inclytam tuam Generositatem, ut ea nos lignis iuvare velit, quo studiis nostris maiori cum diligentia et profectu invigilare possimus.

II. Die Schule im 17. und 18. Jahrhundert.

Die urkundlichen Nachrichten, welche über die Schickſale der Schule von 1600 bis 1760 vor⸗ liegen, ſind ſehr vereinzelt, ſodaß insbeſondere das Jahrhundert nach dem 30jährigen Kriege faſt völlig im Dunkeln liegt.

Die erſten Urkunden aus dem 17. Jahrhundert beziehen ſich auf Beſoldungen und Stipendien⸗ unterſtützungen, Klagen der Stipendiaten und deren Halter und bieten nichts bemerkenswertes, es müßte denn das ſein, daß einer der Stipendiaten 1609 beim Grafen vorſtellig wird, ihn als zu alt und beſchränkt zum Studium in Gnaden zum Handwerk zu entlaſſen, welches denn auch geſchah, nachdem der Lehrer, welcher den Stipendiatentiſch hielt, dies als das beſte geraten hatte. Daß es zu Anfang des Jahrhunderts

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