7 müßten colloquia mit den Schülern, beſ. in lat. Sprache gehalten werden. Von großer Wichtigkeit ſeien die„exercitia stili.“ Die Schüler ſollen eine gute Handſchrift lernen und lernen ſchriftlich aus dem deutſchen ins lateiniſche und umgekehrt überſetzen, desgleichen argumenta ſchreiben und carmina komponiren, disputa- tiones und exercitia memoriae und pronuntiationis ſeien auch ſehr nötig. Sentenzenhefte ſollen ſie anlegen und bei Tiſch und auf Spaziergängen daraus memorieren; monatlich ſollen Pentamina, halbjährlich Examina gehalten werden. Als exercitia pro recreatione animi ſind zuzulaſſen: Muſicieren, Lauteſpielen, Malen u. ſ. w. Als exercitia corporis werden empfohlen:„Ehrliche Spiele, wie Ballſchlagen und dergl., Springen, Ringen, Fechten, Schwimmen.“
ad. 4.„Es muß ein Rector scholae ſein, der das ganze Werk dirigiere und ſowohl auf die collegas als die discipulos fleißig Achtung gebe, 2. ein gelehrter Grammatikus und Linguiſt, 3. ein guter Hypodidascalus für die kleinen Kinder, die buchſtabieren, leſen, ſchreiben, deklinieren und konjugieren lernen, 4. ein geſchickter Artiſt, 5. ein verſtändiger, qualifizierter Mann, der Philoſophika traktieren möge“. Der Unterricht müſſe ſo verteilt werden:
I. cl. 1 bibl. Buch, loci comm. theol., Hebräiſch, Inſtitutionen, Ethika, Phyſika, Mathematika, Geſchichte, Philippus de anima, Gramm. Graeca; auct. graeci z. B. Xenophon, lingua Gallia, Orationes Cicer. cum artificio dialectico und rhetorico, Arithmetica, Musica. Ferner exercitia scribendi, argumenta graeca, item disputationum, declamationum und poëseos.
II. cl. Der große Heidelberger Katechismus(lat.), Pſalter, Catechesis graeca Camerarii aut Gene- vensinm; Dialectica, Rhetorica, Musica, Arithmetica, Gramm. graeca; aut gr.: Isocrates etc.; Aeneis, Vergiliana, Horaz, Caesar etc. Exercitia: argum. graeca et latina, compositio carminum.
III. cl. Heidelb. Kat.(ſ. ob.) Gramm. lat. cum Syntaxi und prosodia; graeciae linguae prima rudimenta, die Evangelien,(griech.) Progymnasmata Aphthonii, Eklogen des Vergil; Cicer. Briefe, Terenz, Musica. Ferner exercitia in argumentis latinis e germanico.
IV. cl. Katecheſe aus dem gr. Heidelb. Kat.(deutſch) die wichtigſten Sprüche aus den Evangelien, Dialogi sacri Castalionis, grammat. lat. absque prosodia; epistolae Giceronis pro pueris ab Sturmio collatae. Fabulae Aesopii.„Exercita, daß ſie anfangen, kurze Sprüche aus deutſcher Sprache lat. und aus lat. Sprache deutſch zu machen“.
V. cl. Kl. Heidelb. Kat.(deutſch) Elementa Donati cum orthogr. und Etymol. Disticha Catonis, Nomenclatura rerum. Lat. Phraſen mit beigeſetztem Deutſch lernen.
VI. cl. Leſen, ſchreiben, Hauptſtücke chriſtl. Lehre lernen.
„Man muß durch die ganze Woche jedes Tags ſechs Stunden zur Schule anwenden, ausgenommen Mittwochens, welches der Spieltag iſt, nämlich 3 Vorm. von 6—8 nnd 9—10 und 3 Nachm. von 1— 4“. Mittwochs ſoll nur 1 St. ſein, etwa von 6—7; Samſtag Nachm. war ebenfalls frei, außer um 2, wo Geſang, vornehmlich deutſcher Pſalmen war.
ad. 5. Dieſen Vorſchlägen enſprechend ſoll ein ordentliches Schulhaus errichtet und das ent⸗ ſprechende Brennholz geliefert werden. Als Gehalt für den Rektor wird verlangt: 270 fl., für den Lehrer der Philoſophika 150, den Grammatiker 100 fl., der Anſatz für den Artiſten mit 150 fl. iſt geſtrichen. Vorſchläge wie das Geld zu beſchaffen wäre ſchließen das intereſſante Aktenſtück, das freilich in den wich⸗ tigſten Punkten ohne praktiſche Folgen blieb.
Am 5., 6. und 7. November 1582 wurde wiederum ein Examen in der Schule gehalten und zwar durch den Rat v. Grünradt und ſeinen Sekretär, ſowie die beiden Dillenburger Geiſtlichen Zepper und Stinglius. Im Anſchluß an dieſe Prüfung wurde im Beiſein des Rektors, von jetzt ab öfter Ludi- moderator genannt, beſchloſſen, daß in Zukunft die Aufgaben für das Examen den Schülern nicht vorher von den Lehrern ſollen bezeichnet werden; dieſe zu ſtellen ſei vielmehr der Kommiſſion bezw. dem Gut— achten des Rektors anheimzugeben; auch ſollten nicht die Lehrer allein examinieren, ſondern auch die Kom— miſſion,„dergeſtalt, daß alle weitläufigen Erklärungen, Unterweiſungen, Disputationen und dergl. Parerga — ſoviel möglich abgeſchnitten werden“. Nach I cl. ſollen in Zukunft nur die verſetzt werden, welche in ihrer Grammatik ziemlich fundiert und gefeſtet ſind; in der I. cl. ſoll die lat. Grammatik nicht mehr„mit vor und nach exponieren und auswendig lernen traktiert, ſondern jedesmals eine ganze pars orationis, nach Gelegenheit, mit ihnen durchrepetiert werden, damit daß die Jugend in dieſen praeceptis mit geringem profectu und Nutzen nicht ſo lange aufgehalten werde, auch der Präceptor die— Stunde über— deſto mehr und beſſer Zeit habe, mit derſelben Klaſſe in sacris und den exercitiis privatis— zu


