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colloquia Erasmi, sententiae Ciceronis, civilitas morum, Catonis disticha moralia, dialogi sancti Castalionis vorgeleſen. In der III. classis— es gab damals 12„Tertiarii“— wurde gleichfalls der Wittenbergiſche Katechismus behandelt, ſowie das„compendium grammatices, daraus ſie ſich vornemlich zum Deklinieren und Konjugieren gewöhnen.“ Ferner, daß ſie„Catonis disticha moralia ſtudieren, und daß die Beſten aus dieſer Klaſſe allgemachlich in etlichen lectionibus mit den secundariis konjungiert werden.“
„Darauf dann, um Zeit zu gewinnen, dieſe zwei Klaſſen zuſammengeſchlagen und mit einander examiniert wurden, zuvörderſt in catechismo, darnach auch in partibus orationis und in paradigmatis declinationum und conjugationum aus der Grammatika“. Mit Vermahnung zum Fleiß ſchloß auch dieſe Prüfung. Die Schule beſtand demnach aus 33 Schülern, 3 Klaſſen à 15, 6 und 12; die 3. Klaſſe iſt alſo vor 1581 eingerichtet geweſen. Bemerkenswert iſt außer der großen Einfachkeit der Unter⸗ richtsgegenſtände, daß griechiſch nur im N. Teſt. geübt wurde, ſowie daß Ausgaben der Schriftſteller nicht in der Hand der Schüler geweſen zu ſein, die Autoren ſelbſt als grammatiſcher Uebungsſtoff gedient zu haben ſcheinen.
Das andere Aktenſtück aus dem Jahre 1581 trägt das Datum 3/7 und die Ueberſchrift„Be⸗ denckens wie zu D. eine anſehnliche gute Schule zu beſtellen“, nach einer Archivnotiz von der Hand des oben genannten Noviomagus.
Nach einer kurzen Einleitung ſagt der Verfaſſer, daß zu einer„wohlbeſtellten Schule“ fünferlei gehöre: 1) Zucht und entſprechende Unterweiſung der Jugend, 2) gebührliche Disciplin, 3) nützliche Exer⸗ citien und Uebungen, 4) ordentliche Verteilung der Klaſſen und Stunden, 5) die ordentliche Unterhaltung „des ganzen Werks“. ad 1: Unterweiſung namentlich in der göttlichen Lehre und den Hauptſtücken chriſtlicher Religion und Glaubens, ſodann in den„vornemlichen Sprachen“, den freien Künſten; die Vor⸗ geſchrittenen auch in der Philoſophie.
Zucht, mores,„Sitten im Leben und Wandel“ werden in den studiis pietatis gelehrt. All⸗ täglich ſoll die Schule mit Gebet begonnen und geendet werden; alle Morgen und Abend ſoll ein Kapitel aus der Bibel geleſen nnd erklärt werden,„alles fein verſtändlich in deutſcher Sprache“. Desgleichen ſoll der Katechismus ordentlich erklärt und eingeprägt werden; die heilige Schrift wird nach und nach geleſen, „ſonderlich was der Jugend am dienlichſten und erbaulichſten iſt“. Mit den Verſtändigeren können auch die loci communes theologici durchgenommen werden. Unbedingt zu vermeiden ſind die„mancherlei ohngleichen Katechismen und Bibelüberſetzungen“, ſowie alle Diktate. Auch ſoll die Bibel nicht„allein kindiſcher Weiſe auf einerlei bloße Wort gelehrt, ſondern vielmehr ihnen zum Verſtand verholfen“ werden.
Von den Sprachen iſt exſtlich die lateiniſche zu wiſſen, wozu gehören praecepta gramm. und autores classici: Cicero, Terentius, Vergilius, Horatius, Caesar etc,; ferner die Elemente des Griechiſchen, alſo die praec. gramm. und von Autoren z. B. Isocrates, Theognis, Hesiod. Sodann könnten„die Erwachſenen mit der Zeit initia linguae Hebraeicae hören“. Außerdem„wäre auch nicht ohnratſau die franzöſiſche Sprache in dieſer Schule zu lehren. Dabei man ſonderlich der Jugend das N. T. und die Pſalmengeſänge vorlegen könnte“.
„Man mnuß aber, heißt es hier zum Schluß, in den studiis linguarum die Jugend mit überflüſſigen praeceptis nicht beladen, noch zu lange daran aufhalten“. Ferner muß man auf gute Ausſprache und die Lektüre der beſten Schriftſteller halten. Dialektik und Rhetorik, ſowie Arithmetik und Muſik(freie Künſte) ſollten wöchentlich in 2—3 Stunden vorgenommen werden. Darauf könnte dann die Philoſophie kommen, d. h. Ethik, Geſchichte, Inſtitutionen und Phyſik.— In den Sitten müßten die Lehrer das beſte Exempel geben und die Schüler nach allen Richtungen darin unterweiſen.
ad 2. Hierzu ſoll außer Vermahnung wenn nötig auch die„Ruthe“ gebraucht werden, wiewol man„mit Fleiß zu verhüten“ hätte,„daß man es fürs erſte nicht leichtlich zum ſchlagen kommen laſſe“. Außer der Ruthe werden als Strafen genannt: Verbieten der Spieltage, geringe Geldſtrafen der älteren, die Schule kehren, Feuer anmachen,„zu Tiſche dienen“, ſtehend die Lektion hören, nachſitzen, auswendig lernen. Die Präceptores ſollen aber nicht gleich darauf ſchlagen, poltern, fluchen etc.,„auch nicht ohne Unterſchied einen durchaus dem andern gleich halten“; dabei aber ſollen ſie ſich vor aller Parteilichkeit wahren.
ad. 3. Fleißig und ununterbrochen müſſen die expositiones lectionum ſtattfinden; die Lehrer ſollen dabei die Jugend zur Mitcarbeit, beſonders frageweiſe anlocken, aber nicht einſchüchtern, oder lang⸗ weilen; namentlich ſollen ſie den„discipulis mit Gelindigkeit voranhelfen und einen Mut machen“. Ferner


