Aufsatz 
Die elektrische Starkstromanlage für den physikalischen Unterricht am Ostergymnasium zu Mainz
Entstehung
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Das Kabel endigt in dem Anschlusskasten, der im Innern drei Abschmelzsicherungen ent- hält, und dessen Deckel als Ausschalter für die drei Drehstromleitungen ausgebildet ist. Er steht unter Plombenverschluss und ist nur den Beamten des Elektrizitätswerkes zugänglich. Von ihm führen die drei Drehstromleitungen getrennt hinter dem Regulatorbrette aufwärts zu dem Elektri- zitätszähler, einem Drehstromzähler der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert& Comp., Modell FU ¹), für 3 30 Amp. Wenn auch die für Motoren abgegebene elektrische Energie von dem städtischen Elektrizitätswerk bedeutend billiger berechnet wird als die für Beleuchtungszwecke gelieferte, so ist doch der Verbrauch in unserer Anstalt nicht derartig, dass sich das Anbringen eines zweiten Zählers für den Motor lohnen würde.

Auf der rechten Seite des Zählers sind die 3 Leitungen wieder abwärts und dann hinter dem Regulatorbrett und der Schalttafel nach links zu dem Hauptausschalter, einem dreipoligen Hebelschalter für 50 Amp., geführt, der in der Zimmerecke in einem verschliessbaren Holzkasten untergebracht ist. Da dieser Kasten verschlossen bleibt, so lange kein Strom gebraucht wird, ist die Benutzung der Anlage durch Unbefugte ausgeschlossen. In der Abbildung ist der Kasten geöffnet, und man erkennt in ihm zwei der drei Hebel des geöffneten Ausschalters. Die drei Leitungen verlassen den Kasten oben und führen zunächst zu einer dreipoligen Schmelzsicherung für 30 Amp. hinter der Schalttafel und weiter zur Rückseite der Schalttafel selbst. Diese Einzel- leitungen sind in Bergmann-Rohren(Papierrohren mit Messingmantel, die mit einem schwer schmelzbaren Kohlenwasserstoff getränkt sind) verlegt.

Die Schalttafel, aus einer Marmorplatte(120130 cm) bestehend und mit einem Holz- rahmen umgeben, ist an zwei eisernen, in die Zimmerwand eingelassenen Trägern mit je drei Messingschrauben befestigt. Ihr Abstand von der Wand beträgt 50 cm, so dass ihre Rückseite stets zugänglich ist. Durch eine an der Zimmerwand angebrachte Glühlampe kann dieselbe zudem beleuchtet werden.

Der Rückseite der Schalttafel entlang sind zunächst die drei Drehstromleiter wagrecht unter einander angebracht und von ihnen aus die Abzweigungen nach den auf der Vorderseite sichtbaren Apparaten und den übrigen Teilen der Anlage geführt, wobei die einzelnen Leitungen in ver- schiedenen Farben angestrichen sind. Im ganzen sind vier derartige Abzweigungen vorgenommen, nämlich nach dem Drehstrommotor, nach einer in der Mitte des Zimmers aufgehängten Bogen- lampe, dem Experimentiertische und einer Beleuchtungsvorrichtung für die Wandtafel.

Die Schalttafel trägt auf ihrer Vorderseite oben 9 Schmelzsicherungen(Patronensicherungen*) der Firma Siemens& Halske), darunter ein Voltmeter und ein Amperemeter, ferner rechts den Bogenlampentransformator, links den Vorschaltwiderstand für die Bogenlampe und in der Mitte einen Voltmeterumschalter. Darunter folgen 5 Ausschalter und schliesslich 9 Anschlussklemmen, dazwischen das Firmenschild. Sämtliche Anschlussklemmen sind mit je einer Flügelschraube und Unterlagscheibe versehen, um nötigenfalls auch von ihnen Strom abnehmen zu können.

Die 3 Zuleitungen zum Drehstrommotor enthalten die 3 links befindlichen Sicherungen, den dreipoligen Hebelausschalter für 30 Amp. und die 3 links angebrachten Anschlussklemmen. Sie sind vom Schaltbrett aus gemeinschaftlich in einem Bergmann-Rohr unter dem Podium hindurch dem Motor zugeführt, an dessen Magnetsystem sie von der linken Seite angeschlossen sind. Der Motor selbst ist ein Asynchronmotor, Type Nd 1 ½, mit einem Effektbedarf von 1,4 Kilowatt bei

¹) ETZ 1900, S. 573 u. 597. ²) Grawinkel und Strecker, Hilfsbuch für die Elektrotechnik, 6. Aufl., S. 468.