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gehalten wurde. An Veranlaſſung, Ueberſchwängliches und Ungehöriges zurückzuweiſen, fehlte es nicht ganz.
Als einigermaßen verwandt mit dieſen Aufgaben mögen die folgenden, obgleich ihre Löſung nicht eine eigentliche Erzählung enthält, hier noch aufgeführt werden:
Einladung an einen Freund, auf die hieſige Meſſe zu kommen.— Brief an einen Freund im Norden Deutſchlands über die„Herbſttage“ in Frankfurt(jetzt veraltet!).— Der hieſige Winter, Brief an einen Freund in einer heißen Gegend, der einen Sommer hier zugebracht hatte.— Brief
über Veränderungen in Frankfurt während der letzten Jahre.(Gegeben 1853. Zu nennen war damals etwa: Taunusthor, Gutenbergsdenkmal, Weſerbahn, Telegraph, neue Straßen, außerhalb der Thore, u. ſ. w.)—
Erzählungen aus ihrem häuslichen Leben, z. B. Bericht über das, was ſie während der Ferien täglich gethan haben, habe ich die Schüler nicht machen laſſen; das gehört nicht in die Schule.
Beſchreibungen.
Ein Kunſtprodukt. Die Probe wurde wohl mit dem im Klaſſenzimmer befindlichen Lehrer⸗ tiſche oder dem Tafelgeſtell gemacht; alſo mit ſehr einfachen Gegenſtänden. Aber doch ſahen die Schüler bald, das es nicht ſo ganz leicht ſei, eine gute, klare Beſchreibung zu liefern, eine ſolche, die dem, der den Gegenſtand nicht vor Augen hätte, doch eine richtige Vorſtellung davon geben würde.— Dann hieß es: Beſchreiben kann man entweder ein beſtimmtes einzelnes Ding, oder eine Gattung. Erſteres thut man z. B. dann, wenn man etwa ein Meſſer oder eine Uhr verloren hat und ſie wieder⸗ zuerlangen wünſcht. Man gibt dann genau die unterſcheidenden Kennzeichen des beſtimmten einzelnen Gegenſtandes an. Unſere Aufgabe ſoll aber jetzt ſein, eine Beſchreibung der zweiten Art zu liefern. Was gehört nun zu einer ſolchen Beſchreibung? Hierbei kamen wir auf die oben erwähnten vor⸗ bereitenden Übungen: Stufenleitern, Definitionen. Dann wurde wieder die Frage, was zu einer ſolchen Beſchreibung gehöre, ins Auge gefaßt. Es fand ſich, daß etwa folgende Punkte klargeſtellt ſein müſſen: Was iſt es? wozu dient es? wie muß es, nach ſeinem Zweck und Gebrauch, beſchaffen ſein? aus welchem Stoffe? von welcher Form? welches ſind ſeine weſentlichen Merkmale und Theile? welche andere Merkmale darf es außerdem haben? was für verſchiedene Arten davon gibt es?
Ein Gebäude. Hier aber war die Aufgabe nicht, ein Gebäude im Allgemeinen zu beſchreiben, ſondern ein beſtimmtes, einzelnes; aber nicht ein gewöhnliches Haus(ja nicht das eigene Wohnhaus!), ſondern etwa eine unſerer Kirchen, oder einen Thurm. Zur Probe wurde in der Stunde wohl vielleicht die vielen Schülern gut bekannte Peterskirche genommen. Dann wurden noch einige Bilder(Dom zu Mailand, Straßburger Münſter) eingehender betrachtet.— Unſer Frankfurt bietet den Knaben manche Anſchauung, die Kindern kleinerer Städte nur ſelten zu theil wird. Benutzen wir, was wir haben.
Ein Kunſtwerk, etwa ein Gemälde. Ein Kupferſtich wurde den Schülern vor Augen geſtellt. Sie verſuchten deſſen Beſchreibung. Da wurde aber bald klar: beſchreiben kann man ein ſolches Bild auf zweierlei Weiſe; entweder bloß äußerlich, ſo daß man die Perſonen, die dargeſtellt ſind, und was ſie thun oder leiden, nach der Reihe aufzählt; oder indem man auf Sinn und Bedeutung des Ganzen


