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derbtes. Nur hieß es, dieſe Formen ſeien nicht in die allgemeine Schriftſprache aufgenommen, und darum dürften wir ſie im Schreiben nicht gebrauchen.*)
Ob ein Schüler in langen oder kurzen Sätzen ſchrieb, ob in einfachen Sätzen oder in Perioden, darauf legte ich keinen Werth; wenn nur der Ausdruck ſprachrichtig war.
Manchmal, aber nicht immer, nahm ich in einer beſondern Stunde die Aufſätze mit Beziehung auf Satzzeichen durch; nicht alle vollſtändig, ſondern ich las von jedem etwa ſechs Zeilen vor. Auch hier galt eine gewiſſe Freiheit. Es laſſen ſich ja nicht für alle Fälle ganz feſte Regeln auf⸗ ſtellen. Mancher ſetzt ein Komma, wo ein Anderer ein Semikolon vorzieht. Und wollten wir ſagen, die Augsburger allgemeine Zeitung, die ſparſam in Satzzeichen iſt, begehe hierin Fehler? Freilich mußten die Schüler doch mehr Zeichen ſetzen, als es die angeführte Zeitung thut.
Nun endlich wurden die Aufſätze mit Bezug auf Gedankengang und Inhalt durchge⸗ nommen. Die Schüler wurden zur Theilnahme am Urtheilen aufgefordert. Da ging es denn häufig ſo, wie man es nicht ſelten in Gemäldegallerien hört: es wurde Einzelnes herausgegriffen und daran haftete das Urtheil. War die Ausſtellung richtig, ſo ließ ich ſie natürlich gelten. Es wurde aber der Blick von dem Einzelnen weg auf das Ganze gelenkt. Hauptſächlich wurde auf Wahrheit, Klar⸗ heit, richtige Gedankenfolge geſehen. Schmuck wurde geduldek, wo er ſich natürlich ergab; geſuchter, erkünſtelter zurückgewieſen. Allgemeine Redensarten wurden ſchonungslos in ihrer Nichtigkeit enthüllt. Ein einzigesmal brachte ein Schüler, der ſich auch ſonſt wohl mit Verſemachen abgab, einige Verſe an. Dieſe wurden ſehr genau und ſtreng beurtheilt.
Die ſomit orthographiſch, ſprachlich und ſachlich durchgenommenen Arbeiten wurden von den Schülern in ein beſonderes Heft rein abgeſchrieben. Die Abſchrift wurde bloß in Beziehung auf äußere Form— Reinlichkeit und ſchöne, deutliche Schrift— beurtheilt. Wer etwa eine ſolche Ab⸗ ſchrift zu Geſicht bekam, der merkte, daß das Ganze eine Knabenarbeit war. Natürlich. Ich war nicht darauf bedacht, die Sprache des Knaben in die eines Mannes zu verwandeln; wie leicht dies auch manchmal geweſen wäre, ich ſcheute mich es zu thun. Es hätte gegen die Wahrhaftigkeit ver⸗ ſtoßen, hätte den Schein gegeben, als habe der Schüler etwas gedacht und geſagt, das doch nur Gedanke und Ausdruck des Mannes war. Es iſt ſehr möglich, daß mancher meiner damaligen Schüler dieſe Blätter liest. Wenn er daraus vielleicht Veranlaſſung nimmt, ſeine alten Schulaufſätze wieder einmal anzuſehen, ſo wird er etwa über manchen kindlichen Ausdruck, über manche ſteife Wendung lächeln. Heute würde er über dieſelben Dinge fließender, gewandter ſchreiben. Er iſt eben im Laufe der Jahre zum Manne gereift. Was bei dem Knaben altklug und gekünſtelt gelautet hatte, lautet aus dem Munde oder der Feder des Mannes natürlich.— Ehemals(ich denke auch hierbei an meine eigene Schulzeit) fing häufig der Zeichenlehrer dem Schüler die Zeichnung an, und
*) Daß die doppelte Negation bejahe, iſt eine aus der lateiniſchen Sprachlehre fälſchlich in die deutſche(des vorigen Jahrhunderts?) eingedrungene Regel. Es iſt im Deutſchen vielmehr wie im Griechiſchen: die doppelte Ver⸗ neinung verſtärkt das Verneinen. So in den Nibelungen, in Luther's Bibelüberſetzung, wohl einmal bei Klop⸗ ſtock, und in— wahrſcheinlich allen— deutſchen Mundarten.— Unſer als iſt wie das man oder das halt anderer Gegenden, das man ſich dort auch in der feinſten Geſellſchaft nicht ſcheut in den Mund zu nehmen, das man aber im Schreiben— außer etwa in vertrauten Briefen— vermeidet.— Die Bach iſt(S. Grimm's Wörterbuch) mittel⸗ deutſch, reicht von Lothringen bis nach Schleſien, kommt bei Opitz, Fleming, Gryphius vor, iſt in der Zu⸗ ſammenſetzung die Katzbach ſeit dem 26. Auguſt 1813 ſalonfähig geworden.


