Aufsatz 
Natur und Dichtung in der Schule / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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ſchulen, geſprochen vom Veilchen,das im Verborgnen blüht, und von den blauen Himmelsaugen des Vergißmein⸗ nichts, und es wird von der Roſe und der Lilie, von Lerche und Nachtigall und Schäfchen ſo manches Zarte, Sentimen⸗ tale geſagt. Man nennt dies wohlſinnige Betrachtung der Natur. Darüber wird aber leicht das eigentliche An⸗ ſchauen und Kennenlernen vernachläſſigt. Sogar in den ſogenannten Anſchauungsunterricht hat ſich dieſe falſche Weiſe verirrt; wir finden neuere Bücher voll von ſolchenſinnigen Betrachtungen, und ſie drängen ſich ſo in den Vordergrund, daß vom eigentlichen Anſchauen kaum mehr die Rede iſt. Nein, dieſe Weiſe iſt verkehrt. Wir müſſen immer feſt im Auge behalten, was wir denn mit unſerm naturgeſchichtlichen Unterrichte, auch dem vorbereitenden, bezwecken wollen: Kenntniß der Natur, aber wirkliche, wahre Kenntniß, und dieſe muß ſich auf Anſchauung gründen, alſo zuerſt muß angeſchaut werden, das iſt durchaus nothwendig, und bei dieſem An⸗ ſchauen darf der Blick nicht durch ſogenannte ſinnige Be⸗ trachtungen von den Dingen ſelbſt abgelenkt werden. Unſer Unterricht begnügt ſich aber nicht damit, die einzelnen Natur⸗ dinge vorzuführen, er lehrt auch deren Beziehungen zu andern kennen. Zunächſt zu verwandten, ähnlichen. Es wird alſo verglichen, gruppirt, geordnet. Auch hierbei, wie bei dem Anſchauen des Einzelnen, muß die Selbſtthätigkeit der Schüler ganz beſonders in Anſpruch genommen werden, und auch hierbei, wie bei dem Anſchauen des Einzelnen, übt ſich der Schüler darin, das, was er ſelbſt geſehen und erkannt zu haben glaubt, was ihm alſo als Wahrheit erſcheint, auszu⸗ ſprechen. Hiermit haben wir wenigſtens theilweiſe die ſitt⸗ liche Bedeutung dieſes Unterrichts berührt; wir wollen ſie aber, dem Zwecke dieſer Blätter gemäß, nur berühren, und nicht weiter darauf eingehen.