Aufsatz 
Natur und Dichtung in der Schule / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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Im Allgemeinen können wir annehmen, daß beim Leſen von Gedichten die meiſten Lehrer, ſo wie auf alles andere Sachliche, ſo auch auf das Naturgeſchichtliche in geeigneter Weiſe eingehen, daß alſo mit den hier gegebenen Andentungen gerade nichts weſentlich Neues geſagt iſt.

Auf einer höheren Stufe, bei angehenden Jünglingen und Jungfrauen, könnte man vom Geſichtspunkte des Sprach⸗ unterrichts aus noch in ganz anderer Weiſe auf Natur⸗ geſchichtliches eingehen. Man könnte z. B. fragen, welche Dichter, welche Dichtungsgattungen, welche Zeiten ihre Bilder beſonders aus der Natur genommen und in welcher Weiſe ſie dies gethan haben. Es würde ſich dabei zeigen, wie ſo gar manche Naturanſchauung älterer Dichter ſich traditionell lange Zeit hindurch fortgepflanzt hat, und wie von manchem Dichter nachzuweiſen iſt, daß er die Natur ſelbſt gar nicht gekannt, ſondern nur Naturbilder ſeiner Muſter oder Vor⸗ gänger, manchmal in falſcher Auffaſſung, wiedergegeben, wie dagegen manch anderer wieder friſch aus der lebendigen Quelle geſchöpft hat. Doch dies weiter zu erörtern, liegt uns hier zu ferne.

Stellen wir uns nun auf den Standpunkt des natur⸗ geſchichtlichen Unterrichts. Ich werde zu zeigen ſuchen, wie auch hier, unbeſchadet des eigentlichen Zweckes, auf Dich⸗ tungen hingewieſen werden kann, ſo wie dies, um ein anderes Fach zu erwähnen, Daniel in ſeinem Handbuche der Geo⸗ graphie thut, der z. B. bei Stralſund Schiller und Arndt, beim Erzgebirge Claudius, beim Hohen Stauffen Uhland, bei unſerer Vaterſtadt Kopiſch anführt. So können wir auch in unſerm Fache fragen: Wo und wie kommen Naturdinge bei Dichtern vor? welche Anwendung finden ſie bei ihnen? und warum? Es gſſchieht dies zuweilen, aber nicht ſelten auf verkehrte Weiſe. Da wird wohl, beſonders in Mädchen⸗