Aufsatz 
Natur und Dichtung in der Schule / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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als es nöthig iſt, aber doch ſo lange, daß die Kinder von dieſem hundeähnlichen, heißhungrigen, feigen, tückiſchen Thiere eine Vorſtellung bekommen. Aehnlich bei den Kranichen des Ibykus. Hier haben wir es wahrſcheinlich noch leichter, da die Schüler, wenn ſie dieſes Schiller'ſche Gedicht leſen, wohl ſchon im naturgeſchichtlichen Unterrichte von Kranichen gehört haben. Wir haben dann alſo nur an das, was dort vorgekommen, zu erinnern, und wir verſäumen nicht dies zu thun. Den Delphin zwar in Schlegels Arion laſſen wir lieber unberührt, denn dieſes Phantaſiegebilde hat doch zu wenig Aehnliches mit jenem wirklichen Fiſchſäugethiere. Die Schüler mögen ſich ihn ungefähr wie jene waſſerſpritzenden fiſchähnlichen Geſtalten an Brunnen vorſtellen, oder auch anders; es kommt darauf nicht viel an. Manchmal können wir, z. B. bei Freiligrath, in einige Verlegenheit kommen, in Fällen nämlich, wo der Dichter die Natur nicht getreu ſchildert. In einem eigentlichen Kurſus der Literaturgeſchichte, wo ees ſich darum handelt, die Vorzüge ſowohl als die Mängel der Dichter kennen zu lernen, müßten wir dieſe Unnatur rügen. Von einer ſolchen Literaturgeſchichte aber und von ſolcher Beurtheilung der Dichter iſt in einer Schule für Knaben und jüngere Mädchen nicht die Rede. Kommt uns nun in einem Gedichte, das unſer Leſebuch bietet, ein ſolches Beiſpiel von Unwahrheit vor, ſo gehen wir, wenn es möglich iſt, leiſe darüber weg. Iſt es nicht möglich, ſo müſſen wir eben der Wahrheit die Ehre geben.

Im Laufe der Schuljahre gibt uns dieſer Theil des Sprachunterrichts recht häufig Veranlaſſung, unſern Blick auf Naturdinge zu richten. Wir müſſen, ſchon im Intereſſe des Sprachunterrichts, dies thun, wir glauben aber damit auch zugleich dem naturgeſchichtlichen Unterrichte einen Dienſt zu leiſten.