Aufsatz 
Natur und Dichtung in der Schule / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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Die beiden Fächer ſind Naturgeſchichte und Sprache, und zwar bei letzterer nicht der formale, ſondern der materielle Theil, oder das, was man wohl mit vornehmerem Ausdrucke als Literatur bezeichnet; namentlich haben wir die Dichtung im Auge.

Auch hier kann man, wie oben bei Geſchichte und Geo⸗ graphie, entweder von dem einen oder von dem andern Fache ausgehen. Stellen wir uns zuerſt auf den Standpunkt des Sprachunterrichts. Nichts, was geleſen wird, ſoll unver⸗ ſtanden bleiben; was der Erklärung bedarf, muß beſprochen und erklärt werden, und ſo kommt denn, bei proſaiſchen und bei poetiſchen Leſeſtücken, ſowie manches Geſchichtliche, Geo⸗ graphiſche, Ethiſche, ſo auch manches Naturgeſchichtliche natur⸗ gemäß zur Beſprechung. Nicht zwar in der Weiſe, wie eine neuere Methode, die den Unterricht der Kleinen nicht mit dem Leſen, ſondern mit dem Erzählen von Märchen beginnt, beim Märchen vom Rothkäppchen weitläuftiger auf die Natur⸗ geſchichte des Wolfes eingeht; denn dadurch und durch all das Andere, was bei dieſer Weiſe folgerecht auch noch beſprochen werden muß, wird, glauben wir, die Reinheit des Genuſſes getrübt. Wir werden alſo z. B. bei Leſſings Fabel vom alten Wolfe auch nicht die Naturgeſchichte des Wolfes geben; wie viele Zähne er im Munde, wie viele Zehen er an den Füßen hat, iſt uns hier ganz gleichgültig. Aber wie er ungefähr ausſieht, wovon er ſich nährt, wie er es macht, um ſeine Beute zu erhaſchen, das müſſen doch die Kinder erfahren. Erſteres laſſen wir wo möglich einen der Schüler ſelbſt ſagen; und gerade hier in Frankfurt, wo gar manche unſerer Schüler die Wölfe im zoologiſchen Garten ſchon geſehen haben, iſt es meiſt möglich. Anderes ſagen wir ſelbſt. Auch eine gute Abbildung zu zeigen verſchmähen wir nicht. Wir halten uns hier bei dem Wolfe nicht länger auf,