Aufsatz 
Natur und Dichtung in der Schule / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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vielleicht bei Geographie und Geſchichte. Es kann dies auf doppelte Weiſe geſchehen, beim geſchichtlichen und beim geographiſchen Unterrichte. Bei jenem wird die Karte zur Hand genommen und zum Theil der zuſammenhängenderen geographiſchen Kenntniß vorgearbeitet(z. B. wenn bei der Geſchichte der Phönizier von den Handelsreiſen dieſes Volkes geſprochen wird), zum Theil das, was dort vorgekommen, wieder aufgefriſcht und neu belebt. Doch iſt hier nicht der Ort Hauptſache, ſondern das, was an dieſem Orte geſchehen iſt. Andrerſeits werden bei dem geographiſchen Unterrichte nicht nur die Länder vor Augen geſtellt, ſondern es wird auch das, was dort vorgefallen iſt, beſprochen, und ſo wird die geſchichtliche Kenntniß zum Theil erweitert(ſo vielleicht, wenn bei Peru von der Eroberung durch Pizarro geſprochen wird), zum Theil wieder aufgefriſcht(ſo vielleicht, wenn bei Augsburg der Ungarnſchlacht gedacht wird). Doch iſt hier nicht das Geſchehene Hauptſache, ſondern die Oertlichkeit. Auf beiden Wegen wird der Schüler nach und nach dahin geführt werden, wenigſtens zu ahnen, wie die Oertlichkeit beſtimmend und beſchränkend auf das Streben und Handeln der Menſchen einwirkt, wie aber auch gar manchmal des Menſchen freier Geiſt die Feſſeln, welche ihm die Ungunſt der Natur anzulegen ſchien, kräftig geſprengt hat.

Ebenſo finden vielfache Beziehungen ſtatt zwiſchen Geo⸗ graphie und Naturgeſchichte, zwiſchen Phyſik und Mathematik, zwiſchen alten und neuen Sprachen, zwiſchen Arithmetik und Geometrie.

Ich will nun in dieſen Blättern von zwei Fächern ſprechen, die ferner von einander zu liegen ſcheinen, und will verſuchen zu zeigen, wie doch auch ſie Berührungen mit einander haben, und wie das Aufmerkſammachen auf dieſe Berührungen und Beziehungen beiden förderlich ſein kann.