Aufsatz 
Natur und Dichtung in der Schule / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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Knabe naturgemäß mehr auffaſſend als ſelbſtſchaffend ver⸗ hält, nicht ſo bedenklich; ich halte im Gegentheil dafür, daß für das Knabenalter eine gewiſſe Vielſeitigkeit nicht unpaſſend iſt, und daß ſich erſt nach dieſem Alter, in den Jünglings⸗ jahren, der Geiſt mehr auf Eines hin richtet. Es ſcheint mir doch auch, als ſpreche die Erfahrung dafür, daß jeder der Gegenſtände, die auf dem Lehrplane der oberen Klaſſen einer Bürgerſchule ſtehen, mit Ernſt und Erfolg betrieben werden könne.

Wenn ich nun ſomit über Concentration als etwas in dem Sinne, wie man ſie manchmal erſtrebt, Unausführbares geſprochen habe: ſo möchte ich dagegen die Nothwendigkeit betonen, die gegenſeitigen Beziehungen der Fächer zu einander recht hervortreten zu laſſen. Und es gehört ja Alles in der Welt zuſammen und jedes Einzelne hat Beziehungen zu Anderm: die Religion zu Natur und Menſchen; die Natur zu Gott, der ſie geſchaffen hat, und zu dem Menſchen, der ſie zu erkennen und zu benutzen ſtrebt; die Geſchichte zu Zeit und Ort; die Erdkunde zu Natur und Geſchichte; Zahl und Maß zu den Dingen, die gezählt und gemeſſen werden; die Sprache zu dem Sprechenden und dem Beſprochenen.

Dieſe Beziehungen der Unterrichtsgegenſtände zu einander ſollten recht gepflegt werden, dann würde keiner dieſer Gegen⸗ ſtände vereinzelt ſtehen und alsNebenfach von geringem Werthe vernachläſſigt werden; dann würde nicht mehr der für die Alten mit Recht begeiſterte Primaner die Mathe⸗ matik, nicht mehr der eifrige mathematiſche Schüler die Grammatik hochmüthig verachten.

Der aufgeſtellten Forderung, beim Unterrichte dieſe Be⸗ ziehungen der Gegenſtände zu einander hervortreten zu laſſen, wird allerdings manchmal Genüge geleiſtet. Am meiſten